BTX-A bei Schlaganfall-Patienten | Neuro-Depesche 7-8/2019

Wird die Extremitäten-Spastik verringert?

Zertifizierte Fortbildung
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Botulinumtoxin Typ A (BTX-A) bei Erwachsenen mit Extremitätenspastik nach Schlaganfall wurde in zahlreichen klinischen Studien geprüft, doch die Ergebnisse weisen eine gewisse Heterogenität auf. Daher wurde jetzt dazu eine Metaanalyse aller randomisierten kontrollierten Studien (RCT’s) durchgeführt.
Die Literaturrecherche in PubMed, Embase und Cochrane-Library (bis Dez. 2018) ergab 27 RCT‘s mit insgesamt 2.793 erwachsenen Patienten (Durchschnittsalter 49 - 63 Jahre; 40 % - 80 % Männer). 16 Studien befassten sich mit der Spastizität der oberen und neun mit der der unteren Extremitäten. In verschiedenen Dosierungen eingesetzt wurden OnabotulinumtoxinA, AbobotulinumtoxinA oder IncobotulinumtoxinA.
Bei Spastik der oberen Extremitäten verbesserte die BTX-A-Therapie den Muskeltonus gegenüber den Kontrollgruppen signifikant: Die Standard Mean Difference (SMD) betrug -0,76 (95 %-KI: -0,97 bis -0,55; p < 0,001). Diese Wirkung spiegelte sich auch in der ärztlichen Gesamtbewertung (sechs Studien; SMD: 0,51; p < 0,001) und den Behinderungen nach der Disability Assessment Scale (fünf Studien; SMD: -0,30; p < 0,001) wider. Allerdings ergaben sich keine signifikanten Auswirkungen auf die aktive Funktion der oberen Extremität (SMD: 0,49; p = 0,093).
Bei Spastik der unteren Extremitäten hatte BTX-A jedoch keine signifikanten therapeutischen Effekte auf den Muskeltonus (SMD = -0,12; 95 %-KI: - 0,83 - 0,59; p = 0,736) und auch nicht auf die Gehgeschwindigkeit (SMD: 0,06; p = 0,116). Immerhin ging die BTX-A-Therapie mit einem höheren Fugl-Meyer-Score der Patienten für die Beinmotorik einher (SMD: 5,09; 95 %-KI: 2,16 - 8,01; p = 0,001).
Die Therapieeffekte ließen überwiegend 12 Wochen nach der Injektionsbehandlung nach. BTX-A wurde insgesamt gut vertragen: Das gepoolte relative Risiko für unerwünschte Ereignisse (UE) unterschied sich dabei zwischen den aktiven und den Kontrollgruppen nicht signifikant – weder in der Spastik der oberen noch der unteren Extremitäten (RR: 1,18; p = 0,509 bzw. RR: 1,01; p = 0,949). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Den Mittelwertdifferenzen dieser Metaanalyse zufolge hat BTX-A deutliche Effekte auf die Spastik der oberen Extremitäten, weniger ausgeprägt auf die der unteren Extremitäten. Die Autoren betonen, dass die Heterogenität der Studien hoch und deren Qualität (nach JADAD-Skala) sehr unterschiedlich war.
Quelle: Sun LC et al.: Efficacy and safety of botulinum toxin type A for limb spasticity after stroke: ... Biomed Res Int 2019 [Epub 7. April; doi: 10.1155/2019/8329306]

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?