Wirksamkeit des Neurofeedback-Trainings | Neuro-Depesche 7-8/2019

Spielt der ADHS-Subtyp eine Rolle?b

Zertifizierte Fortbildung
Ein EEG-basiertes Neurofeedback kann bei Kindern mit einer ADHS die Symptome verbessern. Jetzt wurde an der Universität von Oviedo untersucht, ob sich die unterschiedlichen klinischen ADHS-Präsentationen – dominierende Unaufmerksamkeit oder Impulsivität/ Hyperaktivität – auf die Wirksamkeit des Verfahrens auswirken. Dies war der Fall.
Von den 64 Schülern (acht bis 12, durchschnittlich 9,58 Jahre) litten nach der vorherrschenden Präsentation 15 unter einer ADHS mit Unaufmerksamkeit (ADHS-I), elf mit Impulsivität/Hyperaktivität (ADHSHI) und 38 unter einem kombinierten Typ (ADHS-C). Alle unterzogen sich einem Therapiezyklus mit 36 Neurofeedback-Sitzungen á 15 min (dreimal pro Woche über drei Monate) mit einem klassischen Protokoll, bei dem die theta-Wellen reduziert und die beta-Wellen verstärkt werden sollen. Studienendpunkte waren die Symptome nach der Elternbeurteilung nach der Scale of Assessment of Attention Deficit with Hyperactivity (EDAH), die exekutive Kontrolle nach Test Of Variables of Attention (TOVA) mit den vier Hauptvariablen Omissions, Commissions, Response Time, Variability und dem daraus resultierenden ADHSScore sowie die kortikale Aktivierung mit quantifiziertem EEG (QEEG) anhand der Messungen mit der zentralkortikal (Cz) und links präfrontal (Fp1) platzierten Elektrode.
Der Arbeitshypothese entsprechend zeigten die drei Gruppen in nahezu allen Parametern signifikante Verbesserungen. Dabei erfuhren die Kinder mit ADHS-C oder ADHS-HI nach EDAH stärkere symptomatische Besserungen als die Teilnehmer mit ADHS-I. In der Variable Hyperaktivität waren die Unterschiede zwischen ADHS-I und ADHS-H und zwischen ADHS-I und ADHS-C signifikant (je p ≤ 0,001).
Signifikante Unterschiede im TOVA zu Ungunsten der ADHS-I-Gruppe ergaben sich u. a. gegenüber ADHS-C in Variabilität (p = 0,005) und ADwHS-Score (p = 0,004) sowie gegenüber ADHS-HI in Variabilität (p = 0,041) und Response Time (p = 0,039). Mit einem generell ähnlichen Muster fielen die Ergebnisse der kortikalen Aktivierung zuungunsten der ADHS-I-Gruppe aus: Bei ihnen veränderte sich das beta/theta-Verhältnis insbesondere anhand der linken Präfrontal-Ableitung (Fp1) weniger günstig als in der ADHS-C- und -HI-Gruppe.
Die meisten der durch das Neurofeedback erfolgten Therapieeffekte wiesen – zumindest bei den ADHS-C- und -HI-Patienten – hohe bis sehr hohe Effektstärken auf (Cohens’d: ≥ 0,80). Insgesamt profitierten die Kinder mit einer gemischten Symptomatik am meisten. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Aufgrund dieser Ergebnisse regen die Autoren an, die Parameter des Verfahrens zur Therapieoptimierung dem ADHS-Subtyp bzw. sogar dem einzelnen Patienten anzupassen.
Quelle: Cueli M et al.: Differential efficacy of neurofeedback ... J Clin Med 2019, 8(2): pii: E204 [Epub 7. Feb.; doi: 10.3390/jcm8020204]

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