Randomisierte Doppelblindstudie | Neuro-Depesche 4/2016

AChE-Hemmer bessert auch den Gang

Zertifizierte Fortbildung

Das bei Parkinson-Kranken vorliegende cholinerge Defizit könnte nicht nur zu den häufigen kognitiven Beeinträchtigungen, sondern auch zur erhöhten Inzidenz von Gangstörungen und Stürzen beitragen. In der randomisierten Doppelblindstudie Rivastigmine for gait stability in patients with Parkinson's disease (ReSPonD) wurde untersucht, ob der Acetylcholinesterase (AChE)-Hemmer die Gangsicherheit verbessert.

Die Phase-II-Studie wurde am North Bristol NHS Trust Hospital an 130 gehfähigen, nicht-dementen Patienten (Hoehn & Yahr: 2–3) durchgeführt, die im letzten Jahr mindestens einmal gestürzt und zuvor noch nie mit einem AChE-Hemmer behandelt worden waren. Nach Randomisierung erhielten 65 Patienten über 12 Wochen zusätzlich zu ihrer Parkinson-Medikation 2 x tägl. Rivastigmin (initial 3 mg/d, titriert auf eine Zieldosis von 12 mg/d) und 65 Placebo. Primärparameter war die Veränderung in der Schrittvariabilität nach 32 Wochen, bestimmt mithilfe eines triaxialen Akzelerometers während eines 18-m-Gehtests. Dieser erfolgte unter drei Bedingungen: nur Gehen sowie ein einfacher und ein komplexer dualer Test mit Gehen plus gleichzeitiger Prüfung der Wortflüssigkeit (Wörter mit einem bzw. zwei wechselnden Anfangsbuchstaben).
114 Patienten wurden ausgewertet. Unter Einbeziehung von Alter, Anzahl bisheriger Stürze, Kognition und Schrittvariabilität zu Baseline fanden sich nach den 32 Wochen deutliche Vorteile zugunsten der AChE-Gruppe in zwei der drei Aufgaben: Gegenüber den 59 Patienten unter Placebo hatte sich die Schrittvariabilität bei den 55 Patienten unter Rivastigmin (zuletzt durchschnittlich 6,3 mg/d) beim normalen Gehen und im einfachen dualen Test um 28% bzw. 21% signifikant gebessert (Rate geometrisches Mittel: 0,72, p = 0,002 bzw. 0,79, p = 0,045). Der Unterschied im komplexen dualen Test um 19% verfehlte die Signifikanz.
Die mediane Sturzrate fiel unter Rivastigmin im adjustierten Modell um 45% geringer aus als unter Placebo (1,4 vs. 2,4/Monat; p = 0,002). Während sich die Gehgeschwindigkeit und die Balance in der AChE-Gruppe generell und teils signifikant verbesserten, fielen alle anderen sekundären Endpunkte (Freezing of Gait, L-Dopa- Dosis, Sturzangst, Kognition, Stimmung etc.) zwischen Verum und Placebo nicht signifikant unterschiedlich aus. Auch der Anstieg der Lebensqualität (nach EQ-5D-5L) verfehlte knapp die Signifikanz (p = 0,058).
In der Rivastigmin-Gruppe waren gastrointestinale Beschwerden deutlich häufiger als in der Placebogruppe (p < 0, 0001); im Einzelnen traten bei 20 (31%) vs. drei Patienten (5%) Übelkeit und bei 15 (17%) vs. drei Patienten (5%) Erbrechen auf. Nebenwirkungsbedingt brachen die Behandlung 23 Patienten unter Rivastigmin und 19 unter Placebo ab. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Sturz- und Verletzungsgefahr stellen bei vielen Parkinson-Patienten ein großes Problem dar. Rivastigmin konnte in dieser qualitativ hochwertigen Studie die Schrittvariabilität und die Gangqualität der Patienten deutlich verbessern. Die Verringerung der Sturzgefahr sollte – zusammen mit der Kosteneffizienz, wie die Autoren vorschlagen – nun in einer Phase-III-Studie geprüft werden.

Quelle:

Henderson EJ et al.: Rivastigmine for gait stability in patients with Parkinson's disease (ReSPonD): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2 trial. Lancet Neurol 2016;15(3): 249-58

ICD-Codes: G20

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