Migräne und andere primäre Kopfschmerzen | Neuro-Depesche 4/2019

Wirken psychologische Interventionen?

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Relevante Kopfschmerz-Erkrankungen sollten nach einem multimodalen Konzept behandelt werden. Ob sich aber psychologische Interventionen bei Patienten mit primären Kopfschmerzen überhaupt positiv auf Häufigkeit und Schwere der Beschwerden auswirken, wurde jetzt in einem systematischen Review mit anschließender Metaanalyse geprüft.

In den einschlägigen Datenbanken (u. a. EMBASE, MEDLINE, Cochrane-Bibliothek, SCOPUS, ScienceDirect) wurden 12.773 englisch- oder koreanischsprachige Publikationen zu primären Kopfschmerz- Erkrankungen (zumeist Migräne oder Spannungs-Kopfschmerz) und einem Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz identifiziert. Metaanalytisch ausgewertet wurden 27 randomisierte kontrollierte Studien mit einer Dauer von vier bis zwölf Wochen zu Behandlungen wie Biofeedback (BFT), (kognitive) Verhaltenstherapie (CBT), kognitive Therapie (KT), Achtsamkeitsbasierte Behandlung (MBT) etc..
Im primären Wirksamkeitsendpunkt, der Anzahl der monatlichen Kopfschmerz-Tage in der Interventions- versus Kontrollgruppe, zeigte sich eine signifikante Überlegenheit der psychologischen Behandlungen mit einem gepoolten mittleren Unterschied von -0,70 Tagen (95 %-KI: -1,22 bis -0,18: p < 0,001). Subgruppenanalysen zufolge bestanden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Interventionsarten (p = 0,67), wohl aber zwischen den Kopfschmerz-Arten: In den Migräne-Gruppen ergab sich eine signifikante Wirksamkeit (-0,59 Tage), nicht aber bei den übrigen Kopfschmerz-Formen. Außerdem fanden sich bei isolierter Betrachtung der US-amerikanischen und europäischen Studien keine signifikanten Unterschiede gegenüber den Kontrollgruppen.
In den sekundären Endpunkten waren die psychologischen Interventionen ebenfalls überlegen. Dies betraf vor allem die Anzahl der Kopfschmerz-Attacken pro Woche (gepoolter mittlerer Unterschied: -1,14; 95 %-KI: -1,61 bis 0,66; p < 0,001). Dabei waren die BFT (-0,70 Attacken), die CBT (-3,00 Attacken) und die MBT (-1,39 Attacken) gegenüber den Kontrollgruppen wirksamer, nicht jedoch die übrigen psychologischen Interventionen.
Außerdem fielen die Kopfschmerz- Schwere (gepoolter mittlerer Unterschied im Index: -0,92; p < 0,001) und die Responderrate (gepooltes relatives Risiko: 3,13; p < 0,001) zugunsten der psychologischen Behandlungen aus. Sie hatten in der Kopfschmerz-bedingten Beeinträchtigung nach dem Migraine disability assessment (MIDAS) gegenüber der Kontrollgruppe auch (zumindest) tendenzielle Vorteile (-2,52 Punkte; p = 0,073). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die in Korea verfügbaren psychologischen Behandlungen reduzierten die Kopfschmerz-Häufigkeit bei Patienten mit primärem Kopfschmerz signifikant. Die Effekte fielen bei den verschiedenen Kopfschmerz-Arten, Interventionen und Studienländern allerdings teilweise sehr unterschiedlich aus. U. a. wären, so die Autoren, standardisierte Interventionen und einheitliche Outcome-Parameter wünschenswert.

Quelle:

Lee HJ et al.: Efficacy of psychological treatment for headache disorder: a systematic review and meta-analysis. J Headache Pain 2019; 20(1): 17 [Epub 14. Feb.; doi: 10.1186/s10194-019-0965-4]

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