Nach 20-jähriger Erkrankung | Neuro-Depesche 1-2/2020

Wie viele Patienten entwickeln eine Demenz?

In mehreren Studien wurde der kognitive Abbau bei Parkinson-Patienten über kürzere Zeiträume untersucht. Jetzt liegen zur kognitiven Verschlechterung und der Parkinson-assoziierten Demenz (PDD) Daten von Patienten mit einer Krankheitsdauer von mehr als 20 Jahren vor.
Analysiert wurden die retrospektiv erhobenen Daten von 2327 Parkinson-Patienten, die in britischen und australischen Kliniken behandelt wurden (und die Kriterien der Brain Bank der Parkinson Disease Society/ UK erfüllten). Die Diagnose einer „wahrscheinlichen“ Parkinson-assoziierten Demenz (PDD) nach den Kriterien der Movement Disorder Society (Level 1) wurde unter den 36 mindestens seit 20 Jahren erkrankten Patienten nur in sieben Fällen (19 %) gestellt. Ihr MMST-Wert betrug 18,14 gegenüber 27,28 bei den 29 Nicht-Dementen (p < 0,001). Sechs der sieben bzw. 19 der 29 Patienten mit und ohne Demenz waren älter als 70 Jahre.
Im Vergleich zu den Parkinson-Patienten ohne Demenz wiesen die PDD-Patienten einen deutlich geringeren Bildungsstand (10,0 vs. 15,4 Jahre; p = 0,002) und signifikant schwerere motorische Symptome (Hoehn & Yahr-Stadium median IV vs. median III; p = 0,004) mit häufigeren Gleichgewichtsstörungen auf.
Bei fast identischer Krankheitsdauer (23,39 vs. 23,23) waren die sieben PDD-Patienten im Durchschnitt außerdem älter (77,23 vs. 71,59 Jahre), lebensgeschichtlich später erkrankt (53,84 vs. 48,37 Jahre) und erhielten eine höhere L-Dopa-Äquivalenzdosis (1158,39 vs. 726,44 mg/d) – aber keiner dieser Unterschiede war zwischen Parkinson-Patienten mit und ohne Demenz signifikant. Sechs der sieben bzw. 19 der 29 Patienten mit und ohne Demenz waren älter als 70 Jahre. Interessanterweise lag bei 34 der 36 Parkinson-Patienten (94 %) ein Nicht-Tremor-dominanter Phänotyp vor. JL

Kommentar

In der Sydney Multicentre Study waren 83% der langjährig Erkrankten dement, und eine systematische Übersicht ergab eine PDD- Punktprävalenz von ca. 30%. Die aktuelle Studie legt nahe, dass der kognitive Abbau bei langjährig erkrankten Parkinson-Patienten äußerst unterschiedlich ausfällt und dass die Demenz-Prävalenz möglicherweise deutlich niedriger ist als angenommen. Dass Patienten mit einem Nicht- Tremor-dominanten Parkinson-Typ gefährdeter zu sein scheinen, spricht für eine umfassendere Pathologie mit stärkerer Schädigung des kognitionsrelevanten cholinergen Systems.
Quelle: Szeto JYY et al.: Dementia in long-term Parkinson‘s disease patients: a multicentre retrospective study. NPJ Parkinsons Dis 2020; 6: 2 [Epub 7. Jan.; doi: 10.1038/ s41531-019-0106-4]
ICD-Codes: G20

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