Randomisierte klinische Studie in den USA | Neuro-Depesche 11-12/2019

Was bietet das „Care Ecosystem“?

Zertifizierte Fortbildung
Bislang existieren für Demenzkranke keine wirklich effektiven Therapie-/Pflegeprogramme. In den USA wurde nun das multimodale „Care Ecosystem“ in einer randomisierten klinischen Studie erfolgreich geprüft. Die Patienten und die pflegenden Angehörigen profitierten nicht zuletzt von einer höheren Lebensqualität.
Das „Care Ecosystem“ ist ein Modell für die Versorgung von Demenz-Patienten und ihre pflegenden Angehörigen („Caregiver“). Es umfasst u. a. eine Betreuung per Telefon und Internet. Die kollaborative Demenzversorgung wird von einem geschulten „Navigator“ des Pflegeteams koordiniert, der für Aufklärung, Unterstützung und Pflegekoordination mit einem auf Demenz spezialisierten Team (Pflegekrägte, Sozialarbeiter, Apotheker etc.) zuständig ist.
In die einfach verblindete, randomisierte 12-Monatsstudie wurden zwischen 2015 und 2017 insgesamt 780 Demenz-Patienten und ihre „Caregiver“ aus Kalifornien (n = 452), Nebraska (n = 284) und Iowa (n = 44) eingeschlossen. 512 Patienten-Caregiver Dyaden wurden zur Teilnahme am Care Ecosystem und 268 Dyaden zur üblichen Versorgung randomisiert.
Primärer Endpunkt war die Lebensqualität der Patienten nach der Quality of Life in Alzheimer‘s Disease-Skala, die von den Caregivern beantwortet wurde. Sekundäre Parameter waren die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Notaufnahmen, Krankenhausaufenthalten und Rettungsdienste durch Personen mit Behinderung; Depression der Caregiver (nach dem Patient Health Questionnaire mit 9 Items, PHQ-9) und die Belastung der Betreuer (nach dem Zarit Burden Interview mit 12 Items, ZBI).
Die 780 Patienten (56,3 % weiblich) waren in einem mittleren Alter von 78,1 Jahren, die 780 Betreuer (70,9 % weiblich) waren im Mittel 64,7 Jahre alt. Von den 780 Dyaden waren nach zwölf Monaten noch 655 aktiv, und 571 schlossen die zwölf-Monate komplett ab.
Gegenüber der üblichen Pflege verbesserte das „Care Ecosystem“ signifikant die Lebensqualität der Patienten (p = 0,04) und reduzierte Besuche in der Notaufnahme (p = 0,04). Die Pflegekräfte profitierten von der Intervention mit jeweils signifiknat verringerten depressiven Symptomen nach PHQ-9 (p = 0,03) und einer reduzierten Belastung nach ZBI (p = 0,046). Die übrigen Endpunkte zeigten keine Unterschiede zwischen den Studienarmen. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Das zentral geleitete Therapie-/Pflege-Management konnte die Lebensqualität der Demenzkranken verbessern und die Pflegebelastung der Caregiver verringern. Damit lassen sich, so die Autoren, die wachsenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Belastungen durch die Demenz potenziell mildern.
Quelle: Possin KL et al.: Effect of collaborative dementia care via telephone and internet on quality of life, caregiver well-being, and health care use: the care ecosystem randomized clinical trial. JAMA Intern Med 2019; [Epub 30. Sept.; doi: 10.1001/jamainternmed. 2019.4101]

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