Neuro-Depesche 4/2018

Heimbewohner mit Demenz und Depression

Verbessern Analgetika den Schlaf?

Studien weisen darauf hin, dass eine adäquate Schmerzbehandlung den Schlaf von Pflegeheimbewohnern verbessern kann. Nun wurde in Norwegen Placebo-kontrolliert untersucht, ob die Langzeitbehandlung mit Analgetika den Schlaf dementer Pflegeheimbewohner mit komorbider Depression verbessern kann.

In die Doppelblindstudie wurden zwischen 2014 und 2016 106 dauerhaft in 47 Pflegeheimen lebende Senioren eingeschlossen. Alle litten nach MMST (≤ 20 Punkte) unter einer Demenz und nach der Cornell Scale for Depression in Dementia (CSDD; ≥ 8 Punkte) unter einer begleitenden Depression. Ihre Schmerzen wurden mit der etablierten Mobilization-Observation- Behavior-Intensity- Dementia-2 Pain Scale (MOBID-2) erfasst.
Das Durchschnittsalter der 106 Teilnehmer (76% Frauen) betrug 85,5 Jahre. Die meisten waren schwer dement (durchschnittlicher MMST-Wert: 7,6 Punkte). Ihr durchschnittlicher MOBID-2-Score betrug 2,8 und ihr CSDD-Wert 11,2 Punkte. 57 Teilnehmer wurden einer aktiven Schmerztherapie und 49 Placebo zugeteilt. Die nicht analgetisch Vorbehandelten erhielten nach Randomisierung entweder oral Paracetamol (3 g/d) oder Placebo. Die Vorbehandelten wurden zu einem Buprenorphin- (max. 10 μg/h/7d) oder Placebo-Pflaster randomisiert. Die Schlafqualität wurde initial und in Woche 13 über jeweils sieben Tage kontinuierlich mittels Aktigraphie erfasst. 48 Patienten schieden bis zum Studienende aus – teils aufgrund von Nebenwirkungen.
Wider Erwarten ergab sich in keinem der primären Wirksamkeitsparameter ein signifikanter Unterschied zugunsten der Intervention: Weder Gesamtschlafzeit (Total sleep time, TST) noch Schlafeffizienz (SE), Einschlaflatenz, nächtliche Wachzeiten, frühmorgendliches Erwachen oder Gesamtschlafzeit am Tage hatte sich durch Analgetika bzw. Optimierung gegenüber Placebo deutlich gebessert.
Auch Post-hoc-Subgruppenanalysen zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen aktiver Schmerzbehandlung und Placebo-Gabe bei den 46 Patienten mit initialem MOBID-2-Score ≥ 3 Punkte und bei den 90 Patienten mit initial sehr schlechter Schlafqualität (SE < 85%). Nur eine Auswertung fiel positiv aus: Patienten, die das Buprenorphin-Pflaster erhielten, zeigten im Vergleich mit den mit Paracetamol behandelten Patienten eine signifikante Zunahme an TST und SE (p < 0,01 bzw. p < 0,05): Diese stieg von 508,7 auf 580,6 Minuten bzw. von 68,7% auf 77,4%. JL

Kommentar

Patienten mit einer Demenz können vorhandene Schmerzen oft nicht mehr adäquat kommunizieren und äußern diese oft indirekt z. B. als Reizbarkeit/Aggression, Umherwandern und Schlafstörungen. Letztere können sich allerdings mit depressionsbedingten Schlafproblemen überschneiden. In der aktuellen Doppelblindstudie – eine Aktigraphie- Substudie des „Efficacy of Pain Treatment on Depression in Patients with Dementia – A Randomized Clinical Trial of Efficacy: DEP.PAIN.DEM.” – hatte die Langzeitgabe von Paracetamol gegenüber Placebo keine signifikanten Effekte auf den Schlaf. Dass sich unter dem Buprenorphin- Pflaster (vs. Paracetamol) die TST und SE verbesserten, lässt zumindest bei einigen Patienten eine Nutzen durch hochpotente Analgetika erkennen.


Quelle:

Blytt KM et al.: Long-term pain treatment did not improve sleep in nursing home patients with comorbid dementia and depression: a 13-week randomized placebo- controlled trial. Front Psychol 2018; 9: 134 [Epub 13. Feb.; doi: 10.3389/fpsyg.2018.00134]



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