Mild cognitive impairment (MCI) und Demenz | Neuro-Depesche 10/2019

So erhöhen SCI und Depression die Risiken

Zertifizierte Fortbildung
Subjektive kognitive Beeinträchtigungen (SCI) gehen der Entstehung einer (objektiven) leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) und einer Demenz voraus. Da die SCI, die zumeist als Gedächtnisstörungen im Alter von 50 - 60 Jahren in Erscheinung tritt, stark mit einer Depression korreliert ist, wurde in einer großen US-Kohortenstudie geprüft, ob die beiden Symptomatiken auch unabhängig voneinander MCI/Demenz voraussagen.
13.462 kognitiv unauffällige ≥ 50-Jährige wurden zum Vorliegen einer SCI befragt. Anhand der Geriatric Depression Scale (GDS) wurden sie auch auf relevante depressive Symptome erfasst. Über ein Follow- up von bis zu 7,4 Jahren wurden alle Teilnehmer fast jährlich auf eine MCI oder eine manifeste Demenz untersucht.
Zu Studienbeginn hatten 1.307 Personen (9,7 %) in den letzten 15 Jahren eine Depression, 3.582 (26,6 %) berichteten eine SCI. Während des Follow-up entwickelten 1.490 Teilnehmer eine MCI (11,1 %) und 695 (5,2 %) eine Demenz.
In der Cox’schen-Regressionsanalyse erhöhten Depression und SCI unabhängig die Risiken für den Endpunkt MCI/Demenz um 40 % (Hazard Ratio: 1,4; p < 0,001) bzw. um 100 % (HR: 2,0; p < 0,001). Diese Zusammenhänge blieben auch in mehreren Modellen unter Adjustierung auf diverse Basismerkmale (Rauchen, BMI etc.) und in Sensitivitätsanalysen (mit verschiedenen GDS-Grenzwerten) weitgehend unverändert.
Das höchste MCI/Demenz-Risiko bestand beim gleichzeitigen Vorliegen von Depression und SCI (HR: 2,8; p < 0,001). In dieser Untergruppe entwickelte die Hälfte innerhalb von 7,2 Jahren der Nachbeobachtung eine MCI/Demenz. Bei den Teilnehmern ohne Depression oder SCI betrug dieser Zeitraum dagegen 12,2 Jahre. Die Zeiten von Patienten mit alleiniger Depression bzw. alleiniger SCI betrugen 12,1 bzw. 9,8 Jahre). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die MCI/Demenz-Risikoerhöhung durch Depression und SCI weist auf unterschiedliche neurobiologische Grundlagen hin. Eine klinisch relevante Implikation: Werden bei einer Depression Älterer subjektive kognitive Einschränkungen berichtet, sollte auf deren Persistenz im weiteren Verlauf sorgfältig geachtet werden.
Quelle: Liew TM1 et al.: Depression, subjective cognitive ... Alzheimers Res Ther 2019; 11(1): 70 [Epub 9. Aug.; doi: 10.1186/s13195-019-0527-7]

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