Migräne-Patienten | Neuro-Depesche 3/2017

Schlaganfall-Risiko nach chirurgischen Eingriffen verdoppelt

Zertifizierte Fortbildung

Mehrere experimentelle und Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen Migräne und ischämischen Schlaganfällen. In einer Krankenhausregisterstudie wurde nun bei Migräne-Patienten erstmals das Risiko im zeitlichen Zusammenhang mit einer Operation untersucht. Offenbar treten perioperative Schlaganfälle besonders bei Migräne-Kranken mit Aura gehäuft auf.

Ausgewertet wurden die Krankenakten (Jan. 2007 – Aug. 2014) von 124 558 chirurgischen Patienten des Massachusetts General Hospital und zweier angegliederter Kliniken. 10 179 (8,2%) dieser Männer und Frauen litten unter einer Migräne, davon 1278 (12,6%) mit Aura und 8901 (87,4%) ohne Aura.
Innerhalb des Zeitfensters von 30 Tagen nach dem Eingriff ereigneten sich im Gesamtkollektiv 771 Schlaganfälle (0,6%). Besonders häufig waren diese nach gefäßchirurgischen Interventionen (n = 244; 4,0%), gefolgt von herzchirurgischen (n = 25; 3,5%) und neurochirurgischen Eingriffen (n = 244; 2,4%).
Unter allen Betroffenen lag bei 89 (11,5%) eine Migräne-Diagnose vor, bei 18 (2,3%) mit Aura und bei 71 (9,2%) ohne. Die Migräne-Patienten hatten somit gegenüber den übrigen Operierten ein deutlich, um 75% erhöhtes Schlaganfall-Risiko (adjustierte Odds Ratio: 1,75; 95%-KI: 1,39–2,21). Dies fiel bei den Patienten mit Aura deutlich höher aus als bei jenen ohne Aura (adj. OR: 2,61 vs. 1,62). Das vorhergesagte absolute Risiko pro 1000 Operierte betrug 2,4 (2,1–2,8) in der Gesamtkohorte, aber 4,3 (3,2–5,3) bei den Teilnehmern mit einer (jeglichen) Migräne. Es lag bei den Patienten ohne Aura bei 3,9 (2,9–5,0) und war bei jenen mit einer Aura mit 6,3 (3,2–9,5) noch einmal deutlich höher.
356 der 771 Schlaganfälle (46,2%) ereigneten sich in den ersten beiden postoperativen Tagen, 195 (25,3%) nach der Klinikentlassung. Für Letztere hatten die Migräne-Patienten ein fast doppelt so hohes Risiko (adj. OR: 1,94). Weitere Analysen zeigten besondere Risiken der Migräne-Kranken für einen Schlaganfall im posterioren und im anterioren Kreislauf (adj. OR: 1,96 bzw. 1,95) sowie bei ambulanter Weiterbehandlung und jenen Patienten mit einem (nach Framingham-Score etc.) „eigentlich“ niedrigen Schlaganfallrisiko.
Insgesamt wurden 10 088 Patienten in den ersten 30 Tagen nach ihrer Klinikentlassung erneut stationär aufgenommen. Die Migräne-Patienten schnitten auch darin schlechter ab und zeigten eine um 31% erhöhte Rate an erneuten Krankenhausaufnahmen als die übrigen Teilnehmer (adj. OR: 1,31; 95%-KI: 1,22–1,41). Erneut waren die Migräne- Patienten mit einer Aura stärker gefährdet als jene ohne dieses Begleitphänomen (adj. OR: 1,59 vs. 1,27). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Eine Migräne, insbesondere eine mit Aura, sollte als Risikofaktor für einen perioperativen ischämischen Schlaganfall betrachtet und beachtet werden.

Quelle:

Timm FP et al.: Migraine and risk of perioperative ischemic stroke and hospital readmission: hospital based registry study. BMJ 2017; 356: i6635. [Epub 10. Jan.; doi: 10.1136/bmj.i6635]

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