Systematischer Review und Metaanalyse zur Schizophrenie | Neuro-Depesche 9/2020

Schizophrenie nach drogeninduzierter Psychose – entscheidend ist die Substanz

Zertifizierte Fortbildung
Einige Menschen mit substanzbedingter Psychose entwickeln später eine anhaltende psychotische Störung wie die Schizophrenie. Jetzt wurde metaanalytisch untersucht, wie hoch dieser Anteil ist und welche Faktoren dieses Risiko beeinflussen.
Die Recherche ergab 50 Studien, die anhand von 40.783 Personen 79 geschätzte Raten zum Übergang einer substanzinduzierten Psychose zur Schizophrenie lieferten, darunter 25 Studien mit 43 substanzspezifischen Schätzungen anhand von 34.244 Personen.
Der Anteil des Übergangs von substanzinduzierter Psychose zu Schizophrenie betrug gepoolt 25 % (95 %-KI: 18 % – 35 %). Im Vergleich dazu gingen von kurzen, atypischen und nicht näher spezifizierten Psychosen deutlich mehr zu einer Schizophrenie über, nämlich bei 36 % der Betroffenen (95 %-KI: 30 % – 43 %).
Die konsumierte Substanz, die eine Psychose auslöste, war der primäre Prädiktor für den Übergang. Die Raten in abnehmender Reihenfolge: Cannabis (in sechs Studien 34 %), Halluzinogene (in drei Studien 26 %) und Amphetamine (in fünf Studien 22 %), deutlich seltener Opioide (12 %), Alkohol (10 %) und Sedativa (9 %).
Die Übergangsraten waren in älteren Kohorten geringfügig niedriger als bei jüngeren Patienten. Sie wurden ansonsten aber durch Geschlecht, Studienland, Krankenhaus- oder Arztpraxis, städtische oder ländliche Umgebung, Diagnosemethoden oder Dauer der Nachsorge nicht maßgeblich beeinflusst. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Gerade durch Cannabis, Halluzinogene und Amphetamine induzierte Psychosen bergen ein erhebliches Risiko für eine spätere Schizophrenie. Konsumenten dieser Substanzen sollten daher im Fokus präventiver Intervention stehen.
Quelle: Murrie B et al.: Transition of substance-induced, brief, and atypical psychoses to schizophrenia: a systematic review and meta-analysis. Schizophr Bull 2020; 46(3): 505-16
ICD-Codes: F20.9

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