Lang erwartete Daten zur COVID-19-Impfung aus Israel

Neuro-Depesche 5-6/2021

mRNA-Vakzin bei MS-Patienten sicher und infektionsprophylaktisch effektiv

Die zu Beginn der Pandemie bestehenden Bedenken über die spezifischen Auswirkungen der COVID-19-Infektion auf Patienten mit einer MS haben sich weitgehend gelegt. Die Entwarnung scheint angesichts überwiegend positiver Erfahrungen auch für die COVID-19-Impfung von MS-Patienten zu gelten. Im April wurden die lang erwarteten Daten aus dem israelischen Sheba Medical Center zu mehr als 500 Patienten veröffentlicht, die den mRNA-Impfstoff von BioNTech erhalten haben. Wie verträglich ist die Vakzine, wird die MS-Aktivität negativ beeinflusst und vor allem: Wie wirksam werden Infektionen verhindert?
Ausgewertet wurden 555 bzw. 435 erwachsene MS-Patienten, die zwischen 20. Dez. 2020 und 25. Jan. 2021 die erste bzw. zweite Dosis von 30 μg BNT162b2 erhalten hatten. Etwa 70 % litten unter einer RRMS und etwa 16 % unter einer SPMS. Etwa 16 % der Geimpften erhielten Interferonbeta (1a oder 1b), 11 % Dimethylfumarat bzw. Ocrelizumab, 10 % Glatirameracetat. 9 % Natalizumab, 8 % Teriflunomid, 6 % Cladribin bzw. Fingolimod und ca. 4 % Alemtuzumab. 25 % der MS-Patienten waren ohne eine krankheitsmodizierende Therapie (DMT) .
 
Unerwünschte Ereignisse nach erster und zweiter Impfung
Die Gesamtrate an unerwünschten Ereignissen (UE) betrug 29,7 % nach der ersten und 40,2 % nach der zweiten Impfung. Diese UE waren leichter bis mittelschwerer Ausprägung und umfassten am häufigsten Schmerzen an der Injektionsstelle (16,0 % bzw. 14,2 %), Fatigue (9,2 % bzw. 15,9 %) und Kopfschmerzen (4,5 % bzw. 7,3 %). Eine leicht erhöhte Rate an lokalen oder systemischen UE fand sich bei Patienten, die jünger (18 - 55 Jahre) und weniger stark behindert (EDSS ≤ 3,0) waren, sowie bei jenen, die mit einem DMT behandelt worden waren.
 
MS-Aktivität beeinflusst?
Im Follow-up von median 20 bzw. 38 Tagen nach der ersten bzw. zweiten Impfung wurde kein erhöhtes Schubrisiko festgestellt: Die Schubraten von 2,1 % bzw. 1,6 % entsprachen in etwa den Raten der nicht geimpften MS-Patienten in entsprechenden Zeiträumen. Eine leichtgradige Symptomzunahme („Pseudo-Schub“) über ein bis zwei Tage zeigten 2 % der Geimpften nach der ersten und 4,8 % nach der zweiten Dosis.
 
Infektionen durch die Impfung wirksam verhindert
Nach der Erstgabe von BNT162b2 traten lediglich drei Fälle (0,5 %) einer COVID- 19-Infektion auf. Sie verliefen jeweils asymptomatisch oder aber nur mit sehr leichten Symptomen. Nach der Zweitdosis wurde kein Infektionsfall registriert. JL
Kommentar
Die aktuellen Erfahrungen aus Israel ergaben unter dem mRNA-Impfstoff von BioNTech einen sehr hohen Infektionsschutz und keine Hinweise auf unerwartete oder schwere Nebenwirkungen. Es fanden sich auch keine Anzeichen für eine relevante Aktivierung der MS. Im Allgemeinen scheinen die hier eingesetzten DMT die Impfantwort der MS-Patienten nicht oder jedenfalls nicht wesentlich zu beeinträchtigen.
Quelle: Achiron A et al.: COVID-19 vaccination in patients with multiple sclerosis: What we have learnt by february 2021. Mult Scler 2021; 27(6): 864-870
ICD-Codes: G35 , U07.1
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