Fokussierte Ultraschall-Subthalamotomie

Neuro-Depesche 3/2021

Motorisch effektiv, aber …

Bei Parkinson-Patienten ist der Nucleus subthalamicus (STN) meist die bevorzugte Zielstruktur der Tiefen Hirnstimulation (THS). Dass sich die therapeutische Läsionierung des STN mittels fokussierten Ultraschalls ( fUS) als Alternative zur THS eignen könnte, legt jetzt eine kleine Doppelblindstudie nahe. Allerdings war die Rate an Nebenwirkungen nicht unbeträchtlich.
Eingeschlossen wurden 40 Patienten mit markant asymmetrischer Parkinson-Symptomatik, deren motorische Symptome medikamentös nicht vollständig kontrolliert wurden und die für eine THS nicht in Frage kamen. Nach 2:1-Randomisierung unterzogen sich 27 einer unilateralen MRT-gesteuerten fUS-Subthalamotomie (> 54°C im Zielgebiet) und 13 einer Scheinprozedur.
Im UPDRS-Motor-Score (Teil III) war die fUS-Subthalamotomie der Kontrollkondition signifikant überlegen (Rückgang von 19,9 auf 9,9 Punkte bzw. von 18,7 auf 17,1 Punkte; p < 0,001). Die Verbesserung um etwa 50% liegt auf dem Niveau einer THS. Eine subjektive klinische Verbesserung (nach Global Impression of Change) berichteten nach vier Monaten 23 der 27 aktiv (85 %) gegenüber nur zwei der 13 scheinbehandelten Patienten (15 %).
 
(Persistierende) Nebenwirkungen nicht selten
Während der Prozedur waren vorübergehende Beschwerden wie Kopfschmerz und Schwindel unter der aktiven Behandlung häufiger. Es traten auch transiente periläsionale Ödeme, aber keine intrazerebralen Blutungen auf. Häufigste unerwünschte Ereignisse (UE) in der aktiv behandelten Gruppe waren Sprachstörungen (n = 15; 56 %), die in drei Fällen über vier Monate anhielten, und Gangstörungen (n = 13; 48 %), die in zwei Fällen persistierten. Eine faziale Schwäche (n = 3; 11 %) hielt in einem Fall an. Ähnliches galt für Dyskinesien und für motorische Schwächen kontralateral der behandelten Seite. Bei sechs Patienten der aktiven Behandlungsgruppe waren einige dieser UE auch noch beim (entblindeten) Follow-up nach zwölf Monaten vorhanden. JL
 

 

Kommentar
In einem begleitenden Editorial wird die Wirksamkeit der fUS-Subthalamotomi, die in etwa der einer THS enspricht, durchaus gewürdigt, aber auch auf die hohe UE-Rate in dieser Gruppe relativ junger Patienten hingewiesen, Außerdem erscheint als wesentlicher Nachteil, dass die Ablation endgültig und – anders als bei der THS – keiner Anpassung an sich im Lauf der Zeit ändernde Symptome zugänglich ist.
Quelle: Martínez-Fernández R et al.: Randomized trial of focused ultrasound subthalamotomy for Parkinson‘s Disease. N Engl J Med 2020; 383(26): 2501-13. Perlmutter JS, Ushe M: Parkinson‘s Disease – What‘s the Fus? N Engl J Med 2020; 383(26): 2582-4
ICD-Codes: G20
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