Elektrokrampftherapie (EKT) | Neuro-Depesche 10/2017

Klinikwiederaufnahmen fast halbiert

Zertifizierte Fortbildung

Die EKT kann als die wirksamste Behandlung bei therapieschwieriger bzw. -refraktärer Depression angesehen werden. Jetzt weisen US-Studiendaten einer großen Kohorte darauf hin, dass sie bei stationär behandelten Patienten mit verschiedenen schweren affektiven Störungen die Krankenhaus-Wiederaufnahmeraten deutlich reduzieren kann.

2486 von 162 691 in neun US-Staaten von 2015 bis 2017 stationär behandelten Patienten (1,5%) mit Major Depression, bipolarer Störung oder schizoaffektiver Erkrankung unterzogen sich einer EKT. Gegenüber den übrigen Patienten bestanden etliche signifikante Unterschiede (je p < 0,001), so u. a. in einem höheren Alter (durchschnittlich 56,8 vs. 45,9 Jahre), in höherem Frauenanteil (65,0% vs. 54,2%), entgegen den Erwartungen in größerer medizinischer Komorbidität (31,3% vs. 26,6%) sowie in einer häufigeren Depressionsdiagnose (63,8% vs. 32,0%) und entsprechend seltener in einer Diagnose einer bipolaren Störung (29,0% vs. 40,0%) und in einer schizoaffektiven Erkrankung (7,1% vs. 28,0%).
In der EKT-behandelten Gruppe war das Risiko für eine psychiatrisch bedingte Klinik- Wiederaufnahme innerhalb der nächsten 30 Tage nach der Entlassung mit 6,6% vs. (geschätzten) 12,3% praktisch halbiert (Risk Ratio: 0,54; 95%-KI: 0,28–0,81). Dabei profitierten einige Subgruppen von der EKT offenbar signifikant stärker. So betrug das relative Wiederaufnahme- Risiko für die Männer 0,44 vs. 0,58 für die Frauen (p = 0,01). Ein signifikant niedrigeres Risiko im Vergleich zu Patienten mit einer Major Depression (RR: 0,53) zeigten auch bipolar (RR: 0,42; p = 0,04) und schizoaffektiv (RR: 0,44; p = 0,04) Erkrankte. HL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Zumindest kurzzeitig scheint die EKT die psychiatrische Wiederaufnahmerate von Patienten mit einer Depression oder einer anderen schweren affektiven Erkrankung massiv um 46% reduzieren. Dies sollte, wie die Autoren betonen, besonders unter gesundheitsökonomischen Aspekten stärker beachtet werden.

Quelle:

Slade EP et al.: Association of electroconvulsive therapy with psychiatric readmissions in US hospitals. JAMA Psychiatry 2017; 74(8): 798-804

ICD-Codes: T88.9

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