„Problem-Gamer" | Neuro-Depesche 10/2015

Drei Viertel mit psychiatrischer Komorbidität

Suchtkranke weisen im Allgemeinen eine extrem hohe Rate an komorbiden psychiatrischen Erkrankungen wie Substanzmissbrauch, Angst und Depression auf. Anhand eines systematischen Review und anschließender Metaanalyse befassten sich Psychiater des Royal Australian and New Zealand College of Psychiatrists nun mit der Komorbidität bei Problemspielern.

In der Literatur wurden 36 Studien identifiziert, in denen über die Prävalenz von Axis-I-Störungen (DSM-IV) bei behandlungssuchenden Problemspielern und definitiv Spielsüchtigen berichtetet wurde. Bei großer Heterogenität zwischen den Studien fand sich insgesamt eine außerordentlich ausgeprägte psychiatrische Komorbidität: Die Lebenszeit- Prävalenz betrug 75,5% (95%-KI: 46,5– 91,8), dabei betrug die durchschnittliche „gewichtete Effektgröße“ 47,0% für jegliche Substanzabhängigkeit/- missbrauch, 38,6% für affektive Krankheiten und 23,9% für Angststörungen.
Die Prävalenz an aktuellen Störungen lag bei 74,8% (95%-KI: 36,5–93,9), besonders häufig waren affektive Störungen (23,1%), Alkoholmissbrauch/- abhängigkeit (21,2%), Angststörungen (17,6%) und Nicht-Alkohol-Substanzmissbrauch/- abhängigkeit (7,0%). In den einzelnen Kategorien fand sich die höchste durchschnittliche „gewichtete Effektgröße“ für eine gegenwärtige Nikotin-Abhängigkeit (56,4%) und Major Depression (29,9%), gefolgt von Alkoholmissbrauch (18,2%), Alkoholabhängigkeit (15,2%), sozialer Phobie (14,9%), generalisierter Angststörung (14,4%), Panikerkrankung (13,7%), posttraumatischer Belastungsstörung (12,3%), Cannabis-Missbrauch/-abhängigkeit (11,5%), ADHS (9,3%), Anpassungsstörung (9,2%), bipolarer Erkrankung (8,8%) und Zwangsstörung (8,2%). Allerdings ließ sich kein durchgängiges Komorbiditätsmuster erkennen, so die Autoren, weder hinsichtlich der Schwere der Spieleproblematik oder des Typs der gesuchten Behandlung (psychotherapeutisch oder medikamentös) noch des Studienortes (USA oder EU). JL

Kommentar

Dass drei Viertel aller (behandlungssuchenden) Menschen mit einer Spielproblematik bzw. -abhängigkeit eine komorbide psychiatrische Erkrankung aufweisen, ist beeindruckend. Nachdem diese Komorbidität die Therapieaussichten massiv beeinflussen kann, sollte sie bei allen Betroffenen genau eruiert und nach Möglichkeit gezielt behandelt werden – möglicherweise mit einem multimodalen „Stepped care“-Ansatz.


Quelle:

Dowling NA et al.: Prevalence of psychiatric comorbidity in treatment-seeking problem gamblers: A systematic review and meta-analysis. Aust N Z J Psychiatry 2015; 49(6): 519-39

ICD-Codes: F63.0

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