Langzeitbeobachtung über acht Jahre

Neuro-Depesche 4/2016

Die RLS-Symptome bestehen oft fort

Zertifizierte Fortbildung

Ein RLS ist keine akute, sondern eine chronisch-persistierende Erkrankung – doch Langzeitdaten zum Verlauf sind rar. Wie sich die Symptome im Laufe der Zeit entwickeln, wurde nun in einer österreichischen Beobachtungsstudie über durchschnittlich acht Jahre untersucht.

Retrospektiv ausgewertet werden konnten die Daten von 160 an der Uniklinik Innsbruck behandelten Patienten mit einem klinisch sicheren RLS im Alter von 21,5 –86,8, durchschnittlich 58,9 Jahren. 58,8% waren Frauen.
Im Beobachtungszeitraum von 8,1 (± 2,9) Jahren nahm der Anteil an Patienten, die behandelt werden mussten, deutlich zu – von 67,5% (zu etwa drei Viertel mit einer Monotherapie) bei der ersten auf 77,5% bei der letzten Visite (nur noch zu etwas mehr als zwei Drittel mit Monotherapie). Zudem war die Medikation bei der Mehrheit der Patienten (59,4%) mindestens einmal umgestellt worden. Immerhin mehr als 20% dieser Population blieben – wegen fehlender Notwendigkeit oder Nicht-Akzeptanz – ohne spezifische Therapie.
Insgesamt nahm die RLS-Schwere im Beobachtungszeitraum ab: Nach einem kombinierten Schweregrad-Score (CSS) mit einer Spanne von 1–5 Punkten ging sie im Gesamtkollektiv im Median von 3 bei der Erstvorstellung auf 2,5 bei der letzten Visite signifikant zurück (p < 0,001). Bei 55,0% der Patienten hatten sich die Symptome gebessert, doch bei 34,4% waren sie praktisch gleich geblieben, und bei 10,6% hatten sie sogar zugenommen.
Eine zumindest zeitweise Augmentation der Beschwerden wurde bei insgesamt 42 Patienten (26,3%) dokumentiert – davon bei 13 Patienten schon als Erstbefund vorliegend und bei 29 Patienten im Behandlungsverlauf von 4,1 Jahren auftretend. Die Betroffenen waren älter und wiesen anfänglich tendenziell schwerere Symptome auf. In praktisch allen Fällen ereignete sich die Symptomausweitung unter einer dopaminergen Medikation. Unter Dopaminergika betrug die jährliche Rate an Augmentationen relativ niedrige 8,1%, unter allen Medikationen 8,4%.
Zur Behandlung der ersten Augmentationen wurde das Medikament in 26 Fällen (61,9%) gewechselt, in fünf (11,9%) in seiner Dosis erhöht und in acht Fällen (19,0%) mit einem zweiten Wirkstoff ergänzt. Bei vier Patienten (9,5%) wurde die Medikation abgesetzt, in zwölf Fällen (28,6%) nicht verändert. Ein Switch erfolgte in erster Linie (14/26 Pat.; 53,8%) von einem auf den anderen Dopaminagonisten (DA) oder von L-Dopa auf einen DA (9/26 Pat; 34,6%) – häufig von einer kürzer auf eine länger wirkende Substanz. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die Autoren betonen, dass sich die RLSSymptome – trotz der generell guten und anhaltenden Behandelbarkeit und trotz der Linderung bei der Mehrheit der Betroffenen – bei immerhin 45% der Patienten dieser großen klinischen Kohorte nicht besserten bzw. sich sogar verschlechterten. Sie schlagen vor, das klinische Bild häufiger zu überprüfen und die Medikamente flexibel auf die individuelle Situation anzupassen.

Quelle:

Mitterling T et al.: Natural course of restless legs syndrome/Willis-Ekbom disease: long-term observation of a large clinical cohort. Sleep Med 2015; 16(10): 1252-8

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