Pilotstudie: Memantin als Add-on zu Atypika

Neuro-Depesche 4/2016

Die Lebensqualität nimmt deutlich zu

Zertifizierte Fortbildung

Die Alltagsbewältigung von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung und ihre Lebensqualität sind meist trotz medikamentöser Therapie stark beeinträchtigt. In einer randomisierten kontrollierten Studie wurde jüngst untersucht, ob eine Add-on-Therapie mit dem antiglutamaterg wirkenden niedrig-affinen NMDA-Rezeptorantagonisten Memantin diese Aspekte positiv beeinflussen kann.

In der iranischen Studie der Uniklinik Isfahan wurden 64 schizophren Erkrankte zu einer Verum- und einer Placebogruppe randomisiert. Alle nahmen bereits seit mindestens drei Wochen ein stabil dosiertes atypisches Antipsychotikum ein, vorwiegend Risperidon und Olanzapin, teils Aripiprazol oder Clozapin. Zusätzlich dazu erhielt die Verumgruppe täglich 5 mg Memantin mit wöchentlicher Steigerung um 5 mg auf eine Zieldosis von 20 mg/d nach vier Wochen. Initial und nach vier bzw. acht Wochen sowie am Ende der 12. Woche wurden die Alltagsfunktionen der Patienten mit dem Global Assessment of Functioning (GAF) und die Lebensqualität mit einer Quality of Life Scale (QLS) bewertet.
Im Verlauf schieden vier Personen aus, so dass nach 12 Wochen jede Gruppe noch aus 30 Patienten bestand: Memantin erhielten 18 Männer und 12 Frauen (32,3 ± 9,9 Jahre), Plazebo 14 Männer und 16 Frauen (34,2 ±10,6 Jahre).
In den zwei Gruppen waren beide Aspekte anfänglich gleichermaßen klar beeinträchtigt: Der QLS-Score für die Lebensqualität betrug durchschnittlich 3,00 bzw. 2,66 Punkte und der GAF-Score für Alltagsfunktionsniveau 41,83 bzw. 37,23 Punkte. Ebenfalls in beiden Gruppen besserten sich beide Parameter im 12-wöchigen Verlauf signifikant (p = 0,032 bzw. p = 0,001). In der Verumgruppe nahm insbesondere die Lebensqualität mit einem Anstieg des QLS-Scores von 41,8 auf 48,2 Punkte deutlich stärker zu als in der Placebogruppe (von 37,2 auf 39,6 Punkte). Dieser Unterschied war signifikant (p < 0,001). Im GAF-Score zeigte sich anfänglich (Woche 4 und 8) eine ähnliche Entwicklung, doch am Ende in Woche 12 war das globale Funktionsniveau vs. Placebo nicht stärker gebessert.
Grundsätzlich wurde die Memantin-Behandlung gut vertragen. Jeweils fünf Personen jeder Gruppe klagten über Nebenwirkungen wie Obstipation (n = 3), Kopfschmerz (n = 4), Schwindel (n = 2) und Übelkeit (n = 1). NW


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Dieser kleinen Studie zufolge lässt sich die Lebenssituation von Schizophrenie-Patienten durch eine Add-on-Therapie mit Memantin – bei guter Verträglichkeit – wirkungsvoll verbessern. Dies weist nicht zuletzt auf die glutamaterge Transmission als Therapieansatz hin. Die Ergebnisse sind vielversprechend, nun bedarf es angesichts der kleinen Patientenzahl und der relativ kurzen Behandlungsdauer weiterer Untersuchungen.

Quelle:

Omranifard V et al.: The effect of add-on memantine on global function and quality of life in schizophrenia: A randomized, double-blind, controlled, clinical trial. Adv Biomed Res 2015; 4: 211 [Epub 28. Sept.; doi: 10.4103/2277- 9175.166148]

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