Chronischer Cluster-Kopfschmerz | Neuro-Depesche 1/2018

Das optimale Vorgehen bei der THS

Etliche Patienten mit chronischem Cluster-Kopfschmerz (CCH) sprechen auf die Therapie mit Sauerstoffinhalation, Triptanen, Verapamil etc. nicht oder nicht ausreichend an. In diesen Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation (THS) des ventralen tegmentalen Areals (VTA) Erleichterung bringen. Britische Neurologen/Neurochirurgen berichten anhand einer kleinen Fallserie über die Ergebnisse der hochfrequenten THS bei mehrfach therapierefraktären CCH-Patienten. Sie stellen ihr prä- und intraoperatives Vorgehen dar und beschreiben die optimalen Zielstrukturen innerhalb des VTA.

Sieben Patienten mit über mindestens zwei Jahre therapierefraktärem CCH unterzogen sich präoperativ einer hochauflösenden Diffusions- MRT. Die MRT- und Aktivitäts-geleitete Elektrodenimplantation erfolgte unilateral bei fünf Patienten und bilateral bei zwei Patienten mit Attacken in beiden Gesichtshälften. Es traten keinerlei operative Komplikationen auf. Die durchschnittliche Follow-up-Dauer betrug 34 (± 14) Monate.
Im Durchschnitt ergab sich bei den (seit median zehn Jahren erkrankten) Patienten in der letzten Nachuntersuchung eine Reduktion der gesamten Kopfschmerzlast („Headache load“) um 76% (± 33%). Die darin enthaltene Attackenschwere wurde durchschnittlich um 46% (± 41%) verringert, die Attackenhäufigkeit um 58% (± 41%) und ihre Dauer um 51% (± 46%). Sechs der sieben Patienten sprachen nach dem vorab definierten Kriterium (Kopfschmerzlast- Reduktion ≥ 30%) an.
Die zwölf Monate nach der Implantation durchgeführte Voxel-basierte Morphometrie (VBM) ergab die größte Reduktion der Kopfschmerzlast bei Aktivierung eines Areals 6 mm lateral, 2 mm posterior und 1 mm inferior des mittkommissuralen Punktes des dritten Ventrikels.
Die zur Identifizierung der Konnektivität der DBS-aktivierten Areale eingesetzte probabilistische Traktographie (für jedes Hirnvoxel wird die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der eine Faser ihren Weg nimmt) zeigte, dass das aktivierte Volumen bei den Respondern vor allem im trigemino-hypothalamischen Trakt lag, der das trigeminale System (und andere mit der Nozizeption und Schmerzmodulation assoziierten Hirnstammkerne) mit dem Hypothalamus sowie mit präfrontalen und mesialen Regionen des Temporallappens verbindet. HL

Kommentar

In der Pathophysiologie des CCH spielt der posteriore Hypothalamus eine Hauptrolle, insb. für die Attackenauslösung. Unterhalten wird der Schmerz durch Aktivierung trigeminaler/ parasympathischer Kerngebiete.


Quelle:

Akram H et al.: Optimal deep brain stimulation site and target connectivity for chronic cluster headache. Neurology 2017; 89(20): 2083-91

ICD-Codes: G44.0

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