Head-to-head-Studie | Neuro-Depesche 11-12/17

Cariprazin gegen Negativsymptomatik?

Zertifizierte Fortbildung

Negative Symptome wie Rückzug, affektive Verflachung, Anhedonie etc. stellen noch immer ein großes Behandlungsproblem dar. Sie wurden in einer randomisierten Headto- head-Studie durch das neue orale Antipsychotikum Cariprazin spezifisch gebessert.

In die doppelblinde Phase-IIIb-Studie wurden in elf europäischen Ländern seit mehr als zehn Jahren an Schizophrenie erkrankte Erwachsene mit einem seit mindestens zwei Jahren stabilen Zustand und mit seit mindestens sechs Monaten vorherrschenden negativen Symptomen eingeschlossen. Sie erhielten nach Randomisierung und Ausschleichen ihrer bisherigen Medikation über 26 Wochen Cariprazin (Zieldosis 4,5 mg/d) oder Risperidon (Zieldosis 4 mg/d). Die Veränderungen der Negativsymptomatik nach dem Positive and Negative Syndrome Scale factor score for negative symptoms (PANSS-FSNS; initial ≥ 24) waren der primäre Studienendpunkt. 230 Patienten wurden zu Cariprazin und 231 zu Risperidon randomiert. Jeweils 178 Patienten (77%) durchliefen den Studienzeitraum vollständig. In der modifizierten Intention- to-treat (ITT)-Population (n = 227 bzw. n = 229) führte die Gabe von Cariprazin (durchschnittl. 4,2 mg/d) ab Woche 14 zu einer größeren durchschnittlichen Abnahme der Negativsymptomatik (nach PANSS-FSNS) als die Behandlung mit Risperidon (durchschnittl. 3,8 mg/d): in Woche 26 -8,90 vs. -7,44 Punkte; „Least squares mean“-Differenz [LSMD] -1,46; p = 0,0022. Die Effektgröße (Cohen’s d: 0,31) ist gegenüber einer aktiven Kontrolle als klinisch relevant anzusehen. Die Number needed to Treat (NNT) betrug vorteilhafte 9. Die klinische Relevanz des Effektes spiegelt sich u. a. auch in der stärkeren Besserung des Funktionsniveaus nach der Personal and Social Performance Scale (PSP) als sekundärer Studienendpunkt unter Cariprazin wider (14,30 vs. 9,66: LSMD: 4,63; p < 0,0001; Effektgröße: 0,48). Versus Baseline besserte sich auch der klinische Gesamteindruck (CGI-S, CGI-I) deutlich. Interessanterweise unterschieden sich weder der PANSS-Gesamtscore noch dessen Subskala für positive Symptome zwischen den beiden Studienarmen signifikant. Wichtige Nebenwirkunhen wie Insomnien (C: 9% vs. R: 10%) und Akathisien (C: 8% vs. R: 5%) waren vergleichbar selten. HL



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Der 2015 von der FDA und im Juli 2017 von der EMA zugelassene partielle Agonist am D3/D2-Rezeptor (D3>D2) und am 5-HT1A- Rezeptor Cariprazin könnte dieser hochwertigen (Hersteller-gesponsorten) Studie zufolge die Therapiepraxis bei dominierenden Negativsymptomen verändern.

Quelle:

Németh G et al.: Cariprazine versus risperidone monotherapy for treatment of predominant negative symptoms in ... Lancet 2017; 389(10074): 1103-13

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