Drei Monate nach Schlaganfall | Neuro-Depesche 6/2015

Bei Apathie auf Suizidalität achten

Zertifizierte Fortbildung

Nach einem Schlaganfall kommt es vermehrt zu depressiven Symptombildern, die auch Suizidgedanken umfassen können. In einer Querschnittsstudie wurde nun die Prävalenz bzw. Inzidenz von Suizidvorstellungen drei Monate nach dem Schlaganfall sowie mögliche Verbindungen mit einer Apathie geprüft.

Bei 518 Schlaganfall-Überlebenden der Acute Stroke Unit of the Prince of Wales Hospital in Hongkong wurden drei Monate nach dem Ereignis die Suizidgedanken anhand der Geriatric Mental State Examination-Version A (GMS) bzw. die Apathie mit der entsprechenden Subskala des Neuropsychiatric Inventory (NPI) erfasst. Die klinischen Schlaganfallmerkmale wurden anhand der National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS) erfasst, außerdem die Kognition mit der Mini-Mental State Examination (MMSE) und die Depressivität mit der Geriatric Depression Scale (GDS).
6,2% des Schlaganfall-Kollektivs berichteten Suizidgedanken. Bei diesen Patienten wurde eine relevante Apathie signifikant häufiger verzeichnet als bei den Patienten ohne Suizidvorstellungen (31,2% vs. 5,3%; p < 0,001). Auch depressive Symptome waren bei ihnen deutlich stärker ausgeprägt (durchschnittlicher GDS-Score 10,47 vs. 4,24; p< 0,001). Zudem korrelierten NPI-Apathie und GDS-Werte miteinander signifikant (p < 0,001).
Die Regressionsanalyse ergab, dass nur die NPI-Apathie (Odds Ratio: 2,95; p = 0,025) und – in geringerem Maße – der GDS-Score (OR: 1,436; p < 0,001) die Suizidgedanken der Patienten jeweils unabhängig von anderen Faktoren mit Signifikanz prädizierten. Geschlecht, Alter, Ehestatus, Bildung und MMST-Werte zeigten hingegen keine signifikanten Zusammenhänge mit Suizidvorstellungen. Die Relation zur Schwere des Schlaganfalls nach NIHSS war nur grenzwertig signifikant (4,91 vs. 3,65; p < 0,051) – und in der Regressionsanalyse kein signifikanter Prädiktor. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Schlaganfallpatienten Suizidgedanken hegen und die jährliche Inzidenz an Suiziden 83 von 100 000 Patienten beträgt. Neben Depression, Schlafstörungen und kognitiven Beeinträchtigungen sollte dieser Studie zufolge insbesondere eine erkennbare Apathie der Betroffenen als Risikofaktor gelten und dringend Anlass zur Eruierung einer Suizidalität geben. Wichtig: Die Apathie war in dieser Studie ein auch von der Depressivität unabhängiger Prädiktor der Suizidgedanken.

Quelle:

Tang WK et al.: Apathy and suicide-related ideation 3 months after stroke: a cross-sectional study. BMC Neurol 2015; 15(1): 60 [Epub ahead of print: 23. April; doi: 10.1186/s12883-015-0323-3]

ICD-Codes: R45.3,R45.8

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