CGRP-Blockade bei Migräne | Neuro-Depesche 5-6/2019

Gibt es kardiovaskuläre Effekte?

Zertifizierte Fortbildung

Das vasoaktive Neuropeptid Calcitonin gene-related peptide (CGRP) spielt in der Pathophysiologie der Migräne eine Schlüsselrolle. Die neuen Antikörpertherapien blockieren seine Wirkung. Einen Überblick über potenzielle kardiovaskuläre Effekte und die klinischen Erfahrungen gibt jetzt ein aktuelles Review.

CGRP und seine Rezeptoren sind nicht nur im zentralen und peripheren Nervensystem vorhanden, sondern in zahlreichen Organsystemen, darunter im gesamten Gefäßsystem und im Herzen. CGRP-Rezeptoren befinden sich dabei auf den glatten Muskelzellen, vornehmlich der kranialen Arterien, aber auch der Koronarien. Die Gefäßrelaxation erfolgt über endotheliale und Endothel-unabhängige Mechanismen. Als starker Vasodilatator spielt CGRP eine wichtige physiologische Rolle bei der Regulierung von Gefäßwiderstand und Organblutung, auch bei pathologischen Zuständen wie zerebraler oder kardialer Ischämie. Zahlreiche Studien an Tiermodellen wie auch mit gesunden Probanden ergaben allerdings weder für die Gepante (Akuttherapie mit „Small molecules“, die an CGRP-Rezeptoren antagonistisch wirken) noch für die CGRP-Antikörper (Ak) negative Auswirkungen auf EKG-Parameter, Herzfrequenz und systemische arterielle Blutdruckregulation.
In allen bislang veröffentlichten Kurz- und Langzeitstudien zu den CGRP-Ak traten keine zerebrovaskulären Nebenwirkungen oder blutdrucksteigernden Effekte auf. Weder entstand noch verschlechterte sich eine Herzinsuffizienz – wenngleich Letzteres nicht speziell geprüft wurde. Allerdings könnte, geben die Autoren zu bedenken, der überschaute Zeitrahmen nicht ausreichen, um etwaige klinische Effekte eines langfristigen Organumbaus zu erfassen. Die sich ausweitende Anwendung muss nun zeigen, wie sich die CGRP-Ak-Therapien bei Risikogruppen (höheres Alter, kardiovaskuläre Vorerkrankungen oder Risikofaktoren, weibliches Geschlecht, hormonelle Kontrazeption, Migräne mit Aura, Triptan- Einnahme etc.) auswirken. Positiv sehen die Autoren, dass in den Phase-II- und -III-Studien weder kardiovaskuläre, noch insgesamt iregendwelche ernste Sicherheitsprobleme auftraten. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Trotz aller hypothetischer Implikationen hatte die Migräne-Prophylaxe mit CGRP-Antikörpern in den klinischen Studien mit mehreren Tausend Patienten keine kardiovaskulären oder andere relevante Nebenwirkungen. Wie bei allen neu eingeführten Medikamenten sind jetzt Langzeit- und Praxisdaten gefragt, um die langfristige Sicherheit der CGRP-Therapien zu beurteilen..

Quelle:

Favoni V et al. für die European Headache Federation School of Advanced Studies (EHF-SAS): CGRP and migraine from a ..? J Headache Pain 2019; 20(1): 27 [Epub: 12. März; doi: 10.1186/s10194-019-0979-y]

ICD-Codes: G43.1

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