Verhaltensprogramm bei kindlicher Migräne | Neuro-Depesche 5/2014

Wie wirksam ist „Headstrong”?

Nicht-medikamentöse Interventionen können Kopfschmerzen lindern. Nach einer erfolgreichen Pilotstudie wurde das kognitiv-behaviorale Selbstmanagement-Programm „Headstrong” jetzt in einer randomisierten klinischen Studie mit einer ­pädi­atrischen Kopfschmerzpopulation evaluiert.

In dem anhand einer CD durchgeführten Programm geht es darum, mittels verschiedener CBT-orientierter Coping-Strategien (Triggersituationen, Entspannungstechniken, kognitive Restrukturierung etc.) die Kopfschmerzsymptome zu reduzieren. Außerdem sollen die Alltagsfunktionalität und die Lebensqualität verbessert werden.

An der Studie nahmen 35 Kinder (7–12 Jahre) mit mindestens einer Migräneattacke pro Woche teil. Nach Randomisierung widmeten sich 18 Kinder über vier Wochen (nach Möglichkeit täglich eine Stunde) dem „Headstrong”-Programm und 17 Kinder der Vergleichsgruppe einem ebenfalls CD-basierten Edukationsprogramm ohne Coping-Elemente. 57% der Kinder wurden mit Ibuprofen und/oder Nortriptylin (17%) behandelt.

Die Wirksamkeit wurde direkt nach der Intervention und drei Monate später anhand der klassischen Parameter beurteilt: Häufigkeit und Dauer des Kopfschmerzes (nach einem Tagebuch) und dessen Schwere (auf einer 10-Punkte-Visuell-Analog-Skala) sowie die Migräne-bedingte Alltagsbeeinträchtigung nach dem Pediatric Migraine Disability Assessment (PedMIDAS) und die Lebensqualität nach dem Pediatric Quality of Life Inventory (PedsQL).

Unter allen Befunden ergaben sich nur in zwei Endpunkten signifikan­te Unterschie­de zwischen beiden Gruppen: Direkt nach der Intervention fiel die Kopfschmerzschwe­re in der Headstrong-Gruppe nach Angaben der Kinder niedriger aus als bei den Kontrollen (5,06 vs. 6,25 Punkte; p = 0,03, Effektstärke nach Cohen's d: 0,7). Zudem berichteten die Eltern der Kinder der „Headstrong“-Gruppe nach drei Monaten eine geringere Migräne-bedingte Alltagsbeeinträch­tigung (1,36 vs. 5,18; p = 0,04; Effektstärke: 0,8).

Alle anderen Parameter, insbesondere die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken und die – allerdings in dieser Population kaum beeinträchtigte – Lebensqualität verbesserten sich nicht statistisch signifikant, wenngleich die Kopfschmerzdauer nach Angaben von Kindern, Eltern und PedMIDAS-Dreimonatswerten mit einer beachtlichen Effektgröße von 0,7 bzw. 0,8 positiv beeinflusst wurde. Das Verfehlen der Signifikanz (p = 0,08) geht den Autoren zufolge vermutlich auf die reduzierte Gruppengröße von 22 Kindern im aktiven Arm nach drei Monaten zurück. JL


Quelle: Rapoff MA et al.: Headstrong intervention for pediatric migraine headache: a randomized clinical trial., Zeitschrift: The Journal of Headache and Pain, Ausgabe (2014)

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