Menschen mit MS in Europa

Neuro-Depesche 11-12/2022

Wie hoch sind die Beschäftigungsraten?

MS-Patienten leiden im Verlauf der Krankheit unter einem erhöhten Risiko, arbeitslos und frühberentet zu werden. Zur Erfassung der Beschäftigungsrate wurden nun die Daten aus vier europäischen MS-Datenbanken ausgewertet.
Die Daten aus Deutschland (n = 6.105), Polen (n = 246), Schweden (n = 13.102) und dem Vereinigten Königreich (UK; n = 12.971) gemäß der Datenharmonisierung des Projekts EUReMS (European Registry in Multiple Sclerosis) umfassten Angaben zu Arbeitsstatus, Behinderungsprogression und Lebensqualität.
 
Erhebliche Unterschiede
Die multivariaten Regressionsanalysen zeigten deutliche Unterschiede zwischen den vier Ländern. Mit 80,2 % fand sich die höchste Beschäftigungsquote in Schweden, gefolgt von 79,3 % im UK, 67,1 % in Deutschland und 46,8 % in Polen. Frauen waren generell häufiger arbeitslos als Männer. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern war am geringsten in Schweden (Odds Ratio [OR]: 0,74). Diese OR betrug je 0,65 im UK und in Deutschland sowie 0,27 in Polen.
Die Wahrscheinlichkeit, beschäftigt zu sein, war bei Patienten mit progressiven MS-Formen allgemein niedriger, aber nur in den UK-Daten war dies signifikant.
Eng mit der Arbeitslosigkeit verbundene Faktoren waren neben Erreichen des gesetzlichen Rentenalters das Fortschreiten der Behinderung nach EDSS und eine geringe Lebensqualität nach WHO-EQ-5D und der Multiple sclerosis impact scale (MSIS-29). So hatte der Score der EDSS (bzw. der MS Walking Scale [MSWS] im UK) hochsignifikante Effekte auf den Erwerbsstatus: Beispielsweise betrug die OR für Erwerbstätigkeit pro EDSS-Punkt 0,67. Für die physische Subskala des MSIS-29 lag die OR pro 20 Punkte bei 0,67 und für die psychologische Subskala bei 0,78. In der (inversen) Relation zwischen EQ-5D und der Erwerbstätigkeit betrug die OR pro EQ-5D Punkt 1,92. HL
Kommentar
Es bestehen bemerkenswerte Unterschiede zwischen den europäischen Registern und den untersuchten Ländern, was auf Ungleichheiten auf europäischer Ebene hindeuten könnte. Darüber hinaus weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass es machbar und nützlich ist, Daten aus verschiedenen MS-Registern in Europa zu kombinieren, auch bei heterogenen Datenstrukturen.
Quelle: Ellenberger D et al.: Comparison of employment among people with Multiple Sclerosis across Europe. Mult Scler J Exp Transl Clin 2022; 8(2) [Epub 27. April;doi: 10.1177/ 20552173221090653]
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