Randomisierte, kontrollierte Studie | Neuro-Depesche 10/2018

Virtueller Coach (‚Avatar‘) bessert Phobie

Internet-basierte und Computer-gestützte Psychotherapien greifen um sich. Jetzt ergab eine britische randomisierte, kontrollierte Studie, dass die automatisierte „Virtual Reality“ (VR)-Therapie mithilfe eines ‚Avatars‘ die Höhenangst von Phobie-Patienten hocheffektiv und anhaltend besserte.

Mittels Radioaufruf wurden zwischen Nov. 2017 und Feb. 2018 in Oxfordshire 100 Probanden rekrutiert. Alle litten langjährig unter einer ausgeprägten Höhenangst (> 29 Punkte im Heights Interpretation Questionnaire; HIQ; 16–80 Punkte). Stratifiziert nach der Schwere der Phobie wurden 49 Patienten zu der VR-Gruppe und 51 zu der Kontrollgruppe (‚Usual care‘) randomisiert.
Die VR-Therapie umfasste zwei- bis dreimal pro Woche sechs 30-Min.-Sitzungen über 14 Tage. Geleitet wurde die automatisierte kognitive Intervention durch einen virtuellen Coach (‚Avatar‘) mit von einem Schauspieler ‚abgenommenen“ Bewegungen und natürlicher Sprache. Primärer Endpunkt der Studie waren die einfach verblindet bewerteten HIQ-Scores.
Der durchschnittliche VR-Behandlungszeitraum betrug 124,43 min. Die VR-Therapie verringerte die Höhenangst nach zwei Wochen signifikant um durchschnittlich 24,5 HIQ-Punkte, während sie in der Kontrollgruppe leidglich um 1,2 Punkte abnahm. Der auf verschiedene Variablen adjustierte Unterschied von 24,0 (95%-KI: -27,7 – -20,3) Punkten war hochsignifikant (p < 0,0001) und entsprach einer hohen Effektgröße (Cohen‘s d: 2,0)
Die Kontrolle nach vier Wochen zeigte, dass die Wirkung auf die Höhenangst in vollem Umfang anhaltend war: Der durchschnittlich Unterschied zwischen VR- und Kontrollgruppe (-25,1 vs. -1,5 Punkte) betrug adjustiert 24,3 Punkte (p < 0,0001; erneut Cohen‘s d: 2,0)
Die Number needed to treat (NNT), um die Höhenangst (mindestens) zu halbieren, betrug ausgesprochen vorteilhafte 1,3 (Patienten). Es wurden keine Nebenwirkungen berichtet. HL

Kommentar

Die Autoren heben die niedrigen Kosten dieser sehr effektiven Therapie hervor. Das vom National Institute of Health unterstützte Unternehmen Oxford VR will nun versuchen, seine automatisierte Avatar-Therapie für andere psychiatrische Indikationen wie die Schizophrenie anzupassen.


Quelle:

Freeman D et al.: Automated psychological therapy using ... Lancet Psychiatry 2018; 5(8): 625-32

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