Pilotstudie zeigt:

Neuro-Depesche 4/2013

tVNS verursacht keine Arrhythmien

Die Vagusnervstimulation (VNS) wird erfolgreich bei pharmakoresistenten Patienten mit Epilepsie oder affektiven Störungen eingesetzt. In einer Pilotstudie stand nun die kardiale Sicherheit der transkutanen VNS (tVNS) im Fokus. Die neue nicht-invasive Stimulationstechnik wurde bei Tinnitus-Patienten geprüft.

Bei der invasiven VNS wird ein Stimulationsgerät im Brustbereich implantiert, das über eine Elektrode in der Regel mit dem linken Nervus vagus verbunden ist. Diese Therapie wird bei pharmakoresistenter Epilepsie oder affektiver Störung eingesetzt, kann jedoch mit teils deutlichen Nebenwirkungen wie Heiserkeit, Husten, Kurzatmigkeit, Nackenschmerzen oder Schluckstörungen, manchmal auch kardialen Arrhythmien, verbunden sein. Um diese Nachteile und das allgemeine Risiko durch Anästhesie und Operation zu minimieren, wurde die nicht-invasive transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) entwickelt (siehe Kasten). Eine Pilotstudie sollte nun über Durchführbarkeit und (kardiale) Probleme des Verfahrens Aufschluss geben.

Aufgenommen wurden 24 Patienten mit chronischem Tinnitus. Sie unterzogen sich über drei bis zehn Wochen einer offenen tVNS (22 Patienten auswertbar). Zu Beginn sowie zu den Wochen 2, 4, 8, 16 und 24 wurden sie klinisch und mittels EKG untersucht.

Die EKG-Daten ließen einen Trend für eine Verkürzung des QRS-Komplexes nach der tVNS erkennen. Insgesamt waren zwei kardiale Ereignisse aufgetreten: Eine 68-Jährige klagte über Palpitationen, die in der Intensivstation beobachtet und behandelt wurden. Dieses Ereignis wurde als schwer eingestuft. Die Patientin konnte einen Tag später das Krankenhaus entlassen, schied aber aus der Studie aus. Nachforschungen ergaben, dass die Frau bereits früher solche Episoden durchgemacht hatte, die jedoch bis dato nicht in der Klinik behandelt werden mussten. Ein 67-jähriger Mann zeigte nach achtwöchiger tVNS in einem Routine-EKG einen (voll reversiblen) Linksschenkelblock. Er wies einige kardiale Risikofaktoren wie Rauchen, Adipositas, Hyperlipidämie und Hypertonie auf. Bei beiden Patienten erschien eine ursächliche Beteiligung der tVNS als unwahrscheinlich. Insgesamt deuten diese Studiendaten auf keine arrhythmischen Effekte bei nicht vorbelasteten Personen hin. GS

Quelle: Kreuzer PM et al.: Transcutaneous vagus nerve stimulation: retrospective assessment of cardiac safety in a pilot study., Zeitschrift: Frontiers in psychiatry, Ausgabe (2012)
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