„Operation Sophia": 14 359 Menschen im Mittelmeer gerettet | Neuro-Depesche 6/2016

Triage und medizinische Erstbehandlung der Geflüchteten

Deutsche Kriegsschiffe beteiligen sich an der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Nun wurden die Erfahrungen mit der medizinischen Erstversorgung veröffentlicht. Obwohl es dabei nicht um psychiatrische oder neurologische Krankheiten ging, hier ein Einblick in die Abläufe und Ergebnisse.

Im Rahmen der Mission European Union Naval Force – Mediterranean (EUNAVFOR MED) „Operation Sophia“ haben deutsche Marinesoldaten seit dem 7. Mai 2015 im Mittelmeer insgesamt 14 359 Menschen (Stand 25.05.2016) aus Seenot gerettet, darunter 677 Kinder. Retrospektiv ausgewertet wurden jetzt die Daten von 2656 Flüchtlingen auf zehn Booten, die zwischen Mai und Sept. 2015 von einer Fregatten-Besatzung gerettet und innerhalb von 24 bis 36 h in Italien an Land gebracht worden waren. 2048 (77,1%) waren männlich, 293 (11%) Kinder und 24 (0,9%) Schwangere.
Eine sprachliche Verständigung war zumeist nicht möglich, zudem war auch die nonverbale Kommunikation durch die Sicherheitsausstattung der Soldaten beeinträchtigt. Bei der initialen Triage durch einen Notarzt (Dauer < 60 s) wurden 448 der Geretteten (16,9%) als krank/verletzt bzw. behandlungsbedürftig klassifiziert, keiner als akuter Notfall. 3,1% aller Geretteten wurden in die „Krankenstation“ der Fregatte überstellt.
Viele Flüchtlinge waren sehr erschöpft, es wurden insgesamt 117 Interventionen durchgeführt: 35 der 448 Kranken(7,8%) benötigten eine i.v.-Flüssigkeitszufuhr, 39 (8,7%) eine Schmerzbehandlung, 10 (2,2%) Antibiotika und 19 (4,2%) eine Wundreinigung/Verbände.
Die nähere Untersuchung ergab an häufigsten Diagnosen Hautkrankheiten (55,4%), internistische wie kardiovaskuläre, pulmonale, abdominale Krankheiten (27,7%) und Verletzungen (12,1%). Psychische Symptome wurden generell nicht untersucht, akute Eigen- oder Fremdgefährdung lag aber offenbar in keinem Fall vor. JL

Kommentar

Trotz der eingeschränkten Untersuchungsmöglichkeiten war die Triage offenbar zuverlässig: Kein Geretteter starb und keiner der als gesund klassifizierten Flüchtlinge wechselte in den maximal 36 Stunden bis zur Übergabe an die italienischen Behörden zur Kategorie behandlungsbedürftig.


Quelle:

Kulla M et al.: Initial assessment and treatment of refugees in the Mediterranean Sea (a secondary data analysis concerning the initial assessment and treatment of 2656 refugees rescued from distress at sea in support of the EUNAVFOR MED relief mission of the EU). Scand J Trauma Resusc Emerg Med 2016; 24(1): 75 [Epub 20. Mai; doi: 10.1186/s13049- 016-0270-z]

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