Erstmals beobachtet | Neuro-Depesche 4/2000

Sinusvenenthrombose durch Lithium

Zum ersten Mal wird von einem Fall berichtet, in dem sich nach einem Lithium-induzierten renalen Diabetes insipidus eine Thrombose des Sinus sagittalis superior entwickelte.

Die 30-jährige, an einer bipolaren Störung erkrankte Frau kam mit zunehmenden Cephalgien, Verwirrung, Sehstörungen und hemiparetischen Zeichen zur Vorstellung. Neben oralen Kontrazeptiva und einem atypischen Neuroleptikum hatte die Frau jahrelang zur Phasenprophylaxe Lithium eingenommen. Eine gesteigerte Diurese (> 200 ml/h), die Ergebnisse eines Desmopressin-Tests und diverse Laborbefunde führten zur Diagnose eines Lithium-induzierten Diabetes insipidus. Lithium wurde daraufhin sofort abgesetzt. Nativ-CCT und Angiographie ergaben Thrombosen diverser Sinusvenen, u.a. des Sinus sagittalis superior. Über einen Femoralvenenkatheter wurde eine lokale, selektive Lysetherapie mit Urokinase begonnen. Nach einer Bolusgabe von 250.000 IE in den Sinus rectus wurde eine dreitägige kontinuierliche Infusion von 80.000 IE/h in den Sinus sagittalis superior durchgeführt. Wiederholte Angiographien zeigten daraufhin die Durchgängigkeit der Sinus. Anschließend wurde die Patientin systemisch heparinisiert, gefolgt von einer antikoagulativen Therapie mit Warfarin per os. Zum Zeitpunkt der Entlassung hatten sich alle neurologischen Symptome komplett zurückgebildet; die Laboruntersuchungen ergaben keine Hinweise auf eine Hyperkoagulabilität. Im vorliegenden Fall war die Dehydratation durch den renalen Diabetes insipidus vermutlich durch die Unterdrückung des Durstgefühls - eine weitere Wirkung des Lithiums - verstärkt worden. Neben Dehydratation gilt die Wirkung der oralen Kontrazeptiva auf das Gerinnungssystem als wichtiger Risikofaktor für eine Sinusvenenthrombose.

Quelle: Wasay, M: Superior sagittal thrombosis due to lithium: local urokinase thrombolysis treatment, Zeitschrift: NEUROLOGY, Ausgabe 54 (2000), Seiten: 532-533

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