Geschlechtsspezifische Vulnerabilität auch im Alter | Neuro-Depesche 11-12/2019

Sind Witwer anfälliger für eine Depression als Witwen?

Mit zunehmendem Alter verlieren immer mehr Menschen ihren Ehepartner. In einer deutschen Kohortenstudie wurden nun die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Witwenschaft auf den Schweregrad depressiver Erkrankungen untersucht.
„Die gepoolten Daten stammen von drei Alterskohorten-Studien der Plattform Age- Different.de: Leipzig Longitudinal Study of the Aged (LEILA 75+), German Study on Ageing, Cognition, and Dementia in Primary Care Patients (AgeCoDe/AgeQuali- De) und Late-life depression in primary care: needs, health care utilization and costs“ (AgeMooDe).
Unter 2.470 Befragten (1.256 Männer) im Durchschnittsalter von 79,2 (SD 3,64) Jahren verloren 209 Männer und 332 Frauen ihre/n Partner/in. Die Depressivität wurde mit der Center for Epidemiologic Studies Depression Scale (CES-D) oder der Geriatric Depression Scale (GDS-15) erfasst.
Beide Geschlechter zeigten nach dem Trauerfall einen höheren Depressions- Schweregrad. Verwitwete Männer waren für spätere Depressionen allerdings deutlich anfälliger als verwitwete Frauen (Koeffizient: 0,16; 0,09 – 0,23; p < 0,001). In Bezug auf die Depressions-Schwere unterschieden sich verwitwete Männer signifikant von nicht-verwitweten Männern. Dies war jedoch bei den verwitweten und nichtverwitweten Frauen nicht so. HL

Kommentar

Obwohl beide Geschlechter unter dem Verlust eines Ehepartners leiden, neigen Männer häufiger dazu, depressive Symptome zu entwickeln. Gerade Hausärzte sollten für die geschlechtsspezifischen Unterschiede sensibilisiert werden. Es bedarf maßgeschneiderter Interventionen für verwitwete Männer und Frauen.
Quelle: Förster F et al.: Are older men more vulnerable to depression than women after losing their spouse? Evidence from three German old-age cohorts (Age- Different.de platform). J Affect Disord 2019; 5–57

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