STN-DBS bei Morbus Parkinson

Neuro-Depesche 7/2011

Schlaf, Tagesmüdigkeit und RLS-Beschwerden bessern sich

80% der Parkinson-Erkrankten leiden unter Schlafstörungen, bei ihnen ist auch ein Restless Legs Syndrom (RLS) deutlich häufiger als in der Bevölkerung. Die tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS) des Nucl. subthalamicus (STN) etabliert sich als Therapie für einen wachsenden Kreis von Parkinson-Patienten. US-amerikanische Mediziner der Cleveland Clinic versuchten nun in einer prospektiven Langzeit-Kohortenstudie subjektive Veränderungen in der Schlafqualität, der Tagesmüdigkeit und besonders der RLS-Symptome nach einer STN-DBS zu bestimmen.

Es wurden 17 Patienten mit Morbus Parkinson eingeschlossenen, die zwischen November 2008 und April 2010 prä- und postoperativ telefonisch einen RLS-Fragebogen nach Vorgaben der International Restless Legs Syndrome Study Group (IRLSSG) beantworteten. Zusätzlich wurde die Tagesmüdigkeit mit der Epworth Sleepiness Scale (ESS) und die Schlafqualität mit der krankheitsspezifischen Parkinson’s Disease Sleep Scale (PDSS) erfragt. Bei den sechs Patienten, bei denen ein RLS diagnostiziert worden war, kam zur Schweregradbestimmung zusätzlich die IRLSSG-Rating-Scale zum Einsatz.

Die STN-DBS verbesserte die Tagesmüdigkeit, die Schlafqualität sowie die RLS-Symptomatik: Die präoperativ und vier Wochen postoperativ durchgeführten Interviews zeigten mit einer Abnahme der ESS-Scores von 11,6 auf 6,4 und einer Zunahme der PDSS-Scores von 94,2 auf 122,9 Punkte eine jeweils signifikante Verbesserung (p jeweils < 0,001) der Tagesmüdigkeit und Schlafqualität. Sie erwiesen sich zum Follow-up nach sechs Monaten als anhaltend.

Bei den RLS-Betroffenen betrug der mittlere präoperative IRLSSG-Score 23,0 Punkte, er lag vier Wochen bzw. sechs Monate nach der Operation im Durchschnitt bei 14,8 bzw. 13,8 Punkten. Dies stellt eine jeweils signifikante Verbesserung dar (p = 0,027 bzw. 0,037). Schließlich entwi-ck­elte kein Patient postoperativ eine RLS-Neuerkrankung. Außerdem ergaben sich zwischen Patienten mit unilateraler und bilateraler STN-DBS in den Studienparametern keine signifikanten Unterschiede. jgb

Kommentar
?! Bisher wird die STN-DBS bei Parkinson-Patienten vor allem eingesetzt, um fortgeschrittene motorische Symp­tome zu verbessern, die auf die Medikamente nicht mehr ausreichend ansprechen. Außerdem werden positive Effekte auf verschiedene Schlafparameter verzeichnet, während eine Wirkung auf RLS-Beschwerden nach aktueller Studienlage unklar bzw. umstritten ist. Diese Kohortenstudie zeigt nun, dass die uni- bzw. bipolare STN-DBS sowohl die Schlafqualität und die Tagesmüdigkeit als auch die RLS- Symptomatik verbessern kann. Eine RLS-Neuerkrankung trat in dem Kollektiv postoperativ nicht auf. Aufgrund der geringen Fallzahl sollten diese umfassend positiven Ergebnisse jedoch durch weitere Untersuchungen validiert werden.
Quelle: Chahine LM: Effects of STN DBS for Parkinson's disease on restless legs syndrome and other sleep-related measures, Zeitschrift: PARKINSONISM AND RELATED DISORDERS, Ausgabe 17 (2011), Seiten: 208-11
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