Doppelblinde Vergleichsstudie mit Teriflunomid | Neuro-Depesche 10/2019

Ofatumumab in wichtigen Endpunkten überlegen

Auf dem 35. ECTRIMS-Kongress in Stockholm wurden aus den beiden Phase-III-Studien ASCLEPIOS I und II neue Daten zu dem noch nicht zugelassenen Ofatumumab präsentiert. Mit diesem vollständig humanen monoklonalen Antikörper gegen CD20-exprimierende B-Lymphozyten wurden gegenüber Teriflunomid die jährliche Schubrate, akut entzündliche MRT-Läsionen und die Behinderungsprogression bei Patienten mit schubförmiger MS (RMS) signifikant reduziert.
In die beiden identisch konzipierten randomisierten Doppelblindstudien ASCLEPIOS I und II wurden insgesamt 1.882 Erwachsene mit aktiver RMS und einem EDSSWert zwischen 0 und 5,5 eingeschlossen, berichtete Prof. Stephen L. Hauser, San Francisco. 60 % waren immunmodulatorisch vorbehandelt. Sie erhielten im „Double dummy“-Design mit flexibler Dauer (bis zu 30 Monate) Ofatumumab (1 x monatl. 20 mg s.c. als Selbstinjektion) oder Teriflunomid (1 x tägl. 14 mg oral). Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die jährliche Schubrate (ARR). Sekundäre Endpunkte waren u. a. MRT-Befunde (entzündliche Läsionen, Hirnatrophie) und die Behinderungsprogression.
Ofatumumab reduzierte die ARR vs. Teriflunomid in beiden Studien signifikant um 50,5 % (0,11 vs. 0,22) bzw. 58,5 % (0,10 vs. 0,25) (je p < 0,001). Unter dem CD20-Antikörper kam es gegenüber dem Vergleichsmedikament außerdem zu einer hochsignifikant stärkeren Unterdrückung der Gadolinium-anreichernden (Gd+) T1-Läsionen und neuer/vergrößerter T2-Läsionen (p < 0,001) – ein Hinweis auf einen ausgeprägten Effekt auf eine neue entzündliche Aktivität. Darüber hinaus verringerte Ofatumumab den vorab spezifizierten gepoolten Analysen zufolge auch das relative Risiko einer nach drei bzw. sechs Monaten bestätigten Behinderungsprogression (CDP) gegenüber Teriflunomid um 34,4 % (p = 0,002) bzw. 32,5 % (p = 0,012). In der nach drei Monaten bestätigten Besserung einer vorbestehenden Behinderung (CDI) betrug die Risikoreduktion gegenüber Teriflunomid 35,2 %, doch der Unterschied (11,0 % vs. 8,1 %) verfehlte die statistische Signifikanz (p = 0,094).
Insgesamt zeigte der Antikörper ein günstiges Sicherheitsprofil. Ofatumumab depletiert CD20-tragende B-Zellen im Blut nahezu vollständig, dabei werden aber, wie Hauser in Stockholm betonte, Stammund B-Zell-Vorläufer-Zellen sowie ausdifferenzierte Plasmazellen ausgespart, weil diese kein CD20 exprimieren.
Im Falle einer Zulassung – die entsprechenden Anträge sollen von Novartis noch 2019 eingereicht werden – wäre Ofatumumab die erste B-Zell-Therapie mit einer einfachen, einmal monatlich von den MSPatienten selbst zu Hause verabreichten Injektion. JL
Quelle: Oral Presentation: Hauser S: Efficacy and safety of ofatumumab versus teriflunomide in relapsing multiple sclerosis: results of the phase 3 ASCLEPIOS I and II trials. 35. Kongress des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS), Stockholm, 13. Sept. 2019

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