Mutter, Vater und drei Kinder laufen Hand in Hand in der Sonne, von hinten gesehen.

Eltern mit Multipler Sklerose

Neuro-Depesche 4/2023

Psychosoziale Auswirkungen auf die Kinder

Die MS betrifft ja zumeist junge Frauen, von denen viele Kinder haben oder sich welche wünschen. Vor diesem Hintergrund befasste sich jetzt eine skandinavische Forschergruppe in einem systematischen Review von 28 Studien zu den psychosozialen Auswirkungen einer elterlichen MS auf die Kinder.

19 Querschnitts-, fünf Kohorten- und vier Fall-Kontroll-Studien wurden ausgewertet. In 17 Studien dienten Kinder gesunder Eltern dem Vergleich. Die Fallzahlen variierten zwischen 30 und 4.177. Die Kinder waren zwischen 1,5 und 26 Jahre alt. In den meisten Studien lag der Schwerpunkt auf Kindern im Alter von vier bis 18 Jahren.

Überwiegend negative Auswirkungen

Insgesamt ergab sich ein sehr heterogenes Bild. In 15 Studien wurde über die psychosoziale Anpassung berichtet. Acht Studien mit 700 betroffenen Kindern zeigten eine erhöhte Prävalenz an negativen Emotionen wie Traurigkeit und Angst sowie Verhaltensschwierigkeiten. In sechs Studien mit 491 Kindern korrelierten deren negative Gefühle mit Depression, Fatigue und Behinderung des an MS erkrankten Elternteils und Ehekonflikten.

Alle vier Studien zur Inzidenz psychiatrischer Störungen ergaben bei den betroffenen Kindern vermehrte Stimmungsund Angststörungen sowie – in einer Fall-Kontroll-Studie mit ca. 2,5 Mio. Personen (ADHS-Prävalenz: 0,06 % vs. 0,04 %) – ein um ca. 80 % erhöhtes ADHS-Risiko.

Keine oder sogar positive Effekte

Andererseits kamen einzelne Studien zu dem Schluss, dass Kinder mit einem an MS erkrankten Elternteil nicht häufiger psychosoziale Probleme aufwiesen. Eine deutete auf eine potenziell erhöhte soziale Kompetenz hin. Eine weitere Studie ergab ein früheres Erreichen von Schulabschlüssen gegenüber Kindern von Eltern mit anderen chronischen Ertkrankungen. Auch die Effekt einer elterlichen MS auf andere Outcome-Paramer der Kinder wie Coping-Fähigkeiten, Körperbild, Beziehung zur Mutter etc. wurden als eher geringfügig beurteilt. HL

Kommentar
Dass ein Elternteil an MS erkrankt ist, hat relevante Auswirkungen auf die Kinder, meistens negativer Art. Die Heterogenität und unterschiedliche Qualität der Studien schränken die Interpretierbarkeit der Ergebnisse jedoch ein. Weitere Forschung ist erforderlich, um belastbare Resultate zu liefern.
Quelle:

Haker M et al.: The psychosocial impact of parental multiple sclerosis on children and adolescents: A systematic review. Int J MS Care 2023; 25(2): 63-70

ICD-Codes: G35.9
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