Hirnstamm-Volumina bei Migräne mit Aura | Neuro-Depesche 4/2019

Mittelhirn und Pons deutlich vergrößert, aber ...

Der Hirnstamm scheint in der Migräne-Pathophysiologie eine bedeutende Rolle zu spielen. Jetzt prüfte ein serbisches Team, inwieweit bei Patienten mit Aura in verschiedenen Hirnstamm-Regionen Volumen-Auffälligkeiten vorliegen, und ob diese mit klinischen Merkmalen der Aura bzw. der Kopfschmerz-Erkrankung korrelieren.

Eingeschlossen wurden 42 seit mindestens fünf Jahren erkrankte Patienten (32 Frauen) mit einer episodischen Migräne mit Aura (MwA) und 42 nach Geschlecht und Alter gematchte gesunde Kontrollen (HC). Mittels automatisierter voxelweiser MRT-Volumetrie wurden die Größenunterschiede von Hirnstamm, Pons, Medulla oblongata, Mittelhirn und Pedunculus cerebellaris superior untersucht.
Die MwA-Patienten wiesen gegenüber den HC ein signifikant größeres Hirnstammvolumen auf (25.941 vs. 25.179 mm3; p = 0,008). Deutlich vergrößert waren dabei Mittelhirn (6.155 vs. 5.964 mm3, p = 0,002) und Pons (15.105 vs. 14.539 mm3; p = 0,007), nicht aber Medulla (p = 0,754) und obere Kleinhirnstiele (p = 0,914).
Entgegen der Studienhypothese waren weder das Gesamtvolumen des Hirnstamms noch die Volumina der Subregionen signifikant mit den klinischen Befunden der Patienten wie Merkmalen der Aura (Dauer, Häufigkeit, somatosensorische Aura-Symptome, Dysphasie etc.) oder der Kopfschmerz-Symptomatik (Dauer, Intensität, Krankheitsdauer etc.) assoziiert. JL

Kommentar

Bei Migräne-Patienten zeigten Studien der letzten zwei Dekaden verschiedene Auffälligkeiten von Regionen, die an der Pathophysiologie der Migräne- Aura beteiligt sind, z. B. vergrößerte visuelle und somatosensorische Kortizes und reduzierte Volumina von schmerzbezogenen Strukturen wie Gyrus centralis, Cingulum- und Insula-Kortizes. Für den Hirnstamm liegen dagegen widersprüchliche Resultate vor. Dass die Volumina von Mittelhirn und Pons in dieser Studie vergrößert waren, stimmt mit Beobachtungen überein, nach denen Migräne-Patienten ein deutlich vergrößertes periaquäduktales Grau aufweisen, dessen strukturelle Veränderungen eine lokale Netzwerkstörung anzeigen. Da die Volumen-Abweichungen mit keinem der Aura- oder Migräne- Charakteristika der Patienten korrelierten, tragen die Ergebnisse allerdings kaum zur Erhellung der Rolle dysfunktionaler Hirnstammkerne (Stichwort „Migräne-Generator“) in der Pathophysiologie bei.
Quelle:

Petrusic I et al.: Volume alterations of brainstem subregions in migraine with aura. Neuroimage Clin 2019; 22: 101714 [Epub 4. Feb.; doi: 10.1016/j. nicl.2019.101714]

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