Über elf Jahre nachbeobachtet | Neuro-Depesche 12/2014

Langzeit-Outcome nach STN-THS

Die tiefe Hirnstimulation (THS), zumeist des Nucleus subthalamicus (STN), ist eine bei Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson-Syndrom inzwischen etablierte Methode. Ein italienisches Neurologenteam untersuchte nun die Langzeiteffekte der STN-THS bei Patienten, die am Übergang zur Spätphase der Erkrankung standen. Erstmals wurde ein Zeitraum von mehr als zehn Jahren überblickt.

Über zehn bis 13, durchschnittlich elf Jahre wurden 26 Parkinson-Patienten nachbeobachtet, die sich einer bilateralen Implantation der STN-Elektroden unterzogen hatten. Sie wurden präoperativ sowie etwa ein, fünf und elf Jahre nach der Implantation untersucht. Gepoolt bewertet wurde das Langzeit-Outcome anhand der Unified Parkinson's Disease Rating Scale (UPDRS) und einer Batterie neuropsychologischer Tests sowie mithilfe etablierter psychiatrischer Ratingskalen. Erhoben wurden außerdem u.a. die Medikamentendosen, die nicht-motorischen Symptome und die Nebenwirkungen. Nach elf Jahren fielen die Scores der motorischen Funktionen unter der THS (ohne Medikation) gegenüber dem präoperativen Zustand noch immer signifikant um 35,8% günstiger aus. U. a. betraf dies Tremor (-68,6%), Rigidität (-44,1%), Gang (-30,4%) und Bradykinesie (-27,9%). Axiale Symptome waren nur leicht verbessert (-11,8%), die posturale Stabilität unverändert und die Sprache leicht verschlechtert (um 20,0%). Die motorischen Komplikationen nach UPDRS Teil IV wurden generell gut kontrolliert: Die Dyskinesien waren um 84,6% gebessert und die motorischen Fluktuationen um 65,8%. Die ursprüngliche Levodopa-Äquivalenzdosis war um etwa ein Drittel geringer (-32,2%) Dessen ungeachtet hatte sich der Score der Alltagsbewältigung (UPDRS Teil II) um 88,5% verschlechtert. Dies ging in erster Linie auf die Verschlechterung schwer kontrollierbarer, kaum L-Dopa-responsiver Symptome wie Haltungsinstabilität, Sprache etc. zurück. Risikofaktoren für eine zunehmende Beeinträchtigung waren im Übrigen das Erkrankungsalter, axiale Symptome im Off und eine REMSchlaf- Verhaltensstörung (RBD) zu Baseline. Die häufigsten (persistierenden) unerwünschten Ereignisse bestanden in Hypophonie und Dysarthrie (53,8% bzw. 50,0%) Die verschiedenen kognitiven Funktionen hatten sich im Krankheitsverlauf der elf Jahre erwartungsgemäß verschlechtert. Doch mehr als 70% der Patienten lagen in der Mehrzahl der neuropsychologischen Tests in der Normspanne. Eine Demenz entwickelte sich bei 22,7% der Patienten. Depressivität und Angst veränderten sich insgesamt nicht wesentlich, Suizidalität trat nicht auf. JL

KOMMENTAR

Wie die Autoren zusammenfassen, belegt diese Studie, dass sich über eine Dekade krankheitsbedingt viele Parkinson-Symptome verschlechtern, doch dass die STN-DBS auch unter Langzeitbedingungen wirksam und sicher ist. Doch die Therapie hat auch ihre Grenzen: Der fehlende Effekt auf die Alltagsbewältigung, die insbesondere auf das Auftreten bzw. die Progression nicht-motorischer bzw. nicht-L-Dopa-responsiver Symptome beruht, wird durch die STN-DBS nicht maßgeblich aufgehalten. Eine Einschränkung dieser Studie liegt in der hohen Abbruchrate von 62,3% der ursprünglich eingeschlossenen Patienten.

Quelle:

Rizzone MG et al.: Long-term outcome of subthalamic nucleus DBS in Parkinson's disease: From the advanced phase towards the late stage of the disease? Parkinsonism Relat Disord 2014; 20(4): 376-81

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