Depression | Neuro-Depesche 6/2014

Komorbider Schmerz verschlechtert das Outcome

Komorbider Schmerz kann den Heilungserfolg bei depressiven Patienten erheblich beeinträchtigen. In einer sekundären Analyse einer randomisierten, kontrollierten Studie wurde nun untersucht, welche Therapieoption – Akupunktur, psychologische Betreuung oder herkömmliche Behandlung – bei depressiven Patienten mit komorbidem Schmerz die Beschwerden am stärksten lindert.

Diese Analyse ist eine Substudie einer dreiarmigen randomisierten und kontrollierten Studie, in der der Erfolg einer zusätzlich zur üblichen Therapie durchgeführten Akupunktur oder psychologischen Beratung mit dem einer herkömmlichen Therapie (Pharmakotherapie und andere bei Depressionen eingesetzte Interventionen) allein verglichen wurde. In die Hauptstudie wurden 755 Patienten im Alter über 18 Jahre aufgenommen. Sie alle wiesen auf der Beck Depression Inventory-II-Skala einen Score von 20 oder darüber auf. In der Substudie wurden die Patienten mit moderaten und extremen Schmerzen – ermittelt anhand EQ-5D – zur Schmerzgruppe zusammengefasst.

Je 302 Patienten wurden der Akupunktur- bzw. der Beratungsguppe zugeteilt. Beide Optionen wurden insgesamt zwölfmal angewendet, und zwar im wöchentlichen Abstand. 151 Patienten wurden herkömmlich behandelt. Die Stärke der Depression wurde mittels Patients Health Questionnaire (PHQ)-9 ermittel, der Schmerz anhand der SF36- und EQ-5D-Scores.

Zu Beginn der Studie berichteten 384 Patienten (50,9%) über moderate bis extreme Schmerzen. Ein lineares Regressionsmodell zeigte, dass die Anwesenheit von Schmerzen zu Studienbeginn ein schlechteres Outcome der Depression nach drei Monaten prädizierte (durchschnittlicher Unterschied -1,72, 95%-KI: 9,13–10,43, p < 0,001). Eine Reihe weiterer Regressionsmodelle identifizierte drei andere signifikante Prädiktoren für ein schlechteres Outcome: schlechte EQ-5D-Mobilität, Antriebsverlust und männliches Geschlecht. Ein ANCOVA-Modell adjustiert auf diese drei Kovariablen und den PHQ-9-Wert zu Studienbeginn zeigten ein ähnliches Ergebnis (durchschnittlicher Unterschied: -1,16; 95%KI: -2,2–-0,12, p = 0,028).

Die Patienten mit moderatem bis extremen Schmerzen der Akupunkturgruppe fühlten sich nach drei Monaten besser. Der PHQ-9-Score ging bei ihnen durchschnittlich um 6,0 (95%-KI: 5,0–7,1) zurück. Der SF-36-Wert verringerte sich um durchschnittlich 11,2 (95%-KI: 7,1–15,2). Damit schnitt diese Gruppe deutlich besser ab als die Gruppe der Patienten mit moderaten bis extremen Schmerzen, die psychologisch beraten (Rückgang von PHQ-9 = 4,3, 95%-KI: 3,3–5,4; SF-36-Reduktion = 7,6, 95%-KI: 3,6–11,6) bzw. herkömmlich behandelt wurden (Rückgang von PHQ-9 = 2,7, 95%-KI: 1,5–4,0; SF-36-Reduktion = 7,2, 95%-KI: 2,3–12,1). Nur bei den Patienten, die zu Studienbeginn keine Schmerzen verspürten, ergaben sich zwischen den drei Therapiearmen keine bemerkenswerten Unterschiede. GS


Quelle: Hopton A et al.: Acupuncture, counselling or usual care for depression and comorbid pain: secondary analysis of a randomised controlled trial., Zeitschrift: BMJ Open, Ausgabe 5 (2014)

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