20-Jahresdaten der Studie ARIC-NCS | Neuro-Depesche 5/2018

Kognitiver Abbau und Demenz bei VHF?

Zertifizierte Fortbildung
Ein Vorhofflimmern (VHF) ist in der Bevölkerung mit 1 bis 2% alles andere als selten. Jetzt wurde anhand der Atherosclerosis Risk in Communities Neurocognitive Study (ARIC-NCS) über 20 Jahre untersucht, ob die Rhythmusstörung das Risiko für einen kognitiven Abbau und eine Demenz-Erkrankung erhöht.
Von 12 515 in den Jahren 1990–1992 in ARIC-NCS aufgenommenen Personen lagen auch 2011–2013 Daten vor. Die Studienteilnehmer durchliefen drei kognitive Tests in den Zeiträumen 1990–1992, 1996–1998 und 2011– 2013: Delayed Word Recall Test (DWRT), Digit Symbol Substitution Test (DSST) und Word Fluency Test (WFT). Aus den Tests wurde ein globaler Kognitionsabbau kalkuliert und als Z-Score angegeben. Eine Demenz wurde per Arzturteil konstatiert.
Während der Beobachtungszeit von 20 Jahren trat bei 2106 Studienteilnehmern ein VHF neu auf, und 1157 entwickelten eine Demenz. Die Inzidenz-Rate betrug bei Patienten ohne VHF 4,48 und bei Patienten mit VHF 21,21.
Der durchschnittliche globale Kognitionsabbau bei den VHF-Patienten war signifikant größer (Z-Score-Unterschied: 0,123) als bei den Personen ohne VHF. Die weitere Adjustierung auf Ausscheiden durch Tod (VHF vs. kein VHF: 51% vs. 30%) oder sonstiges Ausscheiden (18% vs. 22%) verstärkte den Zusammenhang noch.
In der finalen, auf die kardiovaskulären Risikofaktoren und Schlaganfall angepassten Auswertung schwächte sich dieser Zusammenhang ab, blieb mit einer Risikozunahme von 16% bei VHF-Patienten signifikant (Z-Score 0,857 vs. 0,742; Differenz: 0,115).
Ein VHF ging in der auf die kardiovaskulären Risikofaktoren adjustierten Auswertung außerdem mit einem um 23% höheren Risiko für eine Demenz einher (Hazard Ratio: 1,23; 95%-KI: 1,04–1,45). Besonders hoch war die Demenz-Wahrscheinlichkeit bei den VHF-Patienten jüngeren Alters (< 67 Jahre). JL
Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Unabhängig von Schlaganfällen war ein VHF nach diesen veritablen Langzeitdaten tatsächlich mit Kognitionsverschlechterung und Demenz assoziiert. Nachdem diese (weit verbreitete) Rhythmusstörung einen modifizierbaren Risikofaktor darstellt, erscheint eine Prävention möglich. Die Frage ist, ob eine spezifische Intervention (Kardioversion, Antikoagulanzien, andere) einen kognitiven Abbau und eine Demenz, deren Vorläufer er in vielen Fällen ja ist, wirksam verhindern kann.

Quelle: Chen LY et al.: Association of atrial fibrillation with cognitive decline ... J Am Heart Assoc 2018; 7(6): pii: e007301 [Epub 7 März ; doi: 10.1161/ JAHA.117.007301]
ICD-Codes: F01.9 I48

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