Autismus-Spektrum-Störung | Neuro-Depesche 7-8/2019

KI-Brille verbessert das soziale Verhalten

Die vom Kind getragene „Superpower Glass“ (SG)-Brille ist drahtlos mit einem KI-basierten visuellen Computersystem („Google Glass“) verbunden. Anhand der automatischen Mimik-Erfassung werden optisch und akustisch acht Gefühlszustände des Gegenübers (u. a. glücklich, traurig, wütend, verängstigt, überrascht, angewidert oder neutral) an den Träger gemeldet. Die Familien sollten mit der SG sechs Wochen lang viermal pro Woche zu Hause eine 20-minütige Sitzung durchführen.
Von 71 Kindern mit Autismus-Diagnose (63 Jungen; 89 %) im mittleren Alter von 8,38 Jahren wurde 40 zur Intervention randomisiert. Die übrigen 31 Kinder der Kontrollgruppe setzten die (bereits laufende) Standardtherapie (Applied behavioral analysis, ABA) mit zwei Sitzungen pro Woche fort. Die Wirksamkeit wurde bewertet anhand der Social Responsiveness Scale (SRS-II), der Subskala „Sozialisation“ der Vineland Adaptive Behavior Scale (VABS-II), dem Affekterkennungs-Item der Developmental Neuropsychological Assessment (NEPSY-II) und dem Emotion Guessing Game (EGG).
Nur 52 Kinder schlossen die Studie ab – und in der SG-Gruppe wurde nur die Hälfte der geplanten Sitzungen absolviert. Diese Patienten zeigten nach den sechs Wochen signifikante Verbesserungen in der VABS-II-Subskala „Sozialisation“: Der mittlere Score nahm um 4,58 (ITT) bzw. 5,38 Punkte (Completer) zu (p = 0,005 bzw. p = 0,001). Diese Wirkungen entsprachen in etwa den Therapieeffekten in der ABA-Kontrollgruppe. Klinisch relevante Behandlungseffekte ergaben sich auch für die übrigen drei Primärparameter SRS-II, NEPSY-II und EGG (wenngleich die Signifikanzschwelle (p = 0,0125) in keinem Fall überschritten wurde. JL

Kommentar

Die positiven Effekte dieser SG-Intervention zur Emotionserkennung werden durch hohe Drop- Out-Raten und eine geringe Adhärenz eingeschränkt. Grundsätzlich scheint das SG-Training das Potenzial zu haben, bei Kindern mit Autismus alternativ zur nicht überall verfügbaren und kostenaufwändigen Verhaltenstherapie eingesetzt zu werden.
Quelle: Voss C er al.: Effect of wearable digital intervention ... JAMA Pediatr 2019 [Epub 25. März; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.0285]

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