Postpartale Depression in der IGEDEPP-Kohorte

Neuro-Depesche 5-6/2021

Jede fünfte Frau erkrankt

In der Studie Interaction of Gene and Environment of Depression during PostPartum (IGEDEPP) an mehr als 3.000 Gebärenden wurden die Prävalenz und kumulative Inzidenz einer postpartalen Depression untersucht. Dabei wurde zwischen einem frühen und einem späten Auftreten unterschieden.
IGEDEPP ist eine prospektive multizentrische Kohortenstudie an 3.310 Frauen kaukasischer Ethnie, die zwischen 2011 und 2016 Kinder geboren hatten und bis zu einem Jahr lang nachbeobachtet wurden. Eine postpartale Depressionen (PPD) war anhand der DSM-5-Kriterien definiert. Deren Prävalenz und kumulative Inzidenz wurden mit demographischen und klinischen Merkmalen abgeglichen, darunter vor allem mit persönlichen und familienanamnestischen psychiatrischen Krankheiten sowie mit prä- und postpartalen „Stressful life events“.
 
Hohe kumulative Inzidenz
Die Prävalenz einer früh, innerhalb von acht Wochen nach der Geburt einsetzenden PPD betrug 8,3 % (95 %-KI: 7,3 - 9,3) und die einer späten, ab dem 3. postpartalen Monat aufgetretenen PPD 12,9 % (11,5 - 14,2). Daraus resultiert eine achtwöchige kumulative PPD-Inzidenz von 8,5 % (7,4 - 9,6) und eine einjährige kumulative Inzidenz von 18,1 % (17,1 - 19,2).
 
Psychiatrische Anamnese, Trauma und Stress
Mit 1.571 Teilnehmerinnen hatte fast die Hälfte der Kohorte (47,5 %) mindestens eine psychiatrische oder Suchtstörung in der Vorgeschichte, hauptsächlich eine affektive Störung (35 %), zumeist eine Depression. 98 Teilnehmerinnen (3,0 %) hatten mindestens einen Suizidversuch unternommen.
Fast 300 Frauen (9,0 %) berichteten im Childhood Trauma Questionnaire (CTQ) ein traumatisierendes Ereignis in der Kindheit, zumeist emotionale Vernachlässigung (5,9 %) und sexueller Missbrauch (2,6 %). Ein Stressereignis in der Schwangerschaft nach der Paykel Skala berichteten 85 % und postpartal 47,7 % der Frauen – 30,2 % in den ersten acht Wochen und 43,9 % ab der 9. Woche nach der Geburt. HL
Kommentar
Fast jede fünfte Frau erlitt im ersten postpartalen Monat eine Major Depression – und 3 % unternahmen einen Suizidversuch. Die allermeisten Schwangeren bzw. Mütter dieser Kohorte berichteten stressige Lebensereignisse. Gerade die Effekte dieses – prinzipiell modifizierbaren – Faktors sollten im Hinblick auf präventive Maßnahmen geklärt werden.
Quelle: Tebeka S et al.: Prevalence and incidence of postpartum depression and environmental factors: The IGEDEPP cohort. J Psychiatr Res 2021; 138: 366-374
ICD-Codes: F53.0
Urheberrecht: sebra_adobestock
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