Dopaminergika-Therapie des RLS

Neuro-Depesche 1/2012

Impulskontrollstörungen ein Problem?

Ab einem mittleren bis schweren Schweregrad des RLS gelten dopaminerge Medikamente als First-line-Therapieoption. Sie werden dabei in deutlich niedrigeren Dosierungen eingesetzt als beim Morbus Parkinson. Ob bei RLS-Patienten dennoch ein ebenfalls erhöhtes Risiko für Impulskontrollstörungen (ICD) besteht, untersuchte jetzt eine internationale Wissenschaftlergruppe unter deutscher Leitung in einer Querschnittsstudie.

Zunächst per Email angeschrieben wurden 274 deutsche RLS-Patienten. Daraufhin wurden sie mit verschiedenen Fragebogen auf Impulskontrollstörungen gescreent. Bei positiven Hinweisen wurden diese nach einem psychiatrischen Interview anhand strenger Kriterien diagnostiziert.

Zehn der 140 auswertbaren Patienten (7,1%) erhielten am Ende die Diagnose einer Impulskontrollstörung. Alle waren weiblich, die geschlechtsbezogene Prävalenz betrug 10%. Von den Betroffenen nahmen acht einen Dopaminagonisten und zwei Levodopa (100 mg/d als Monotherapie) ein. Bei acht dieser Patientinnen lag zumindest eine weitere psychiatrische Auffälligkeit vor: So litten sechs unter einem Binge eating (4,3%), fünf unter zwanghaftem Einkaufen (3,6%), drei unter pathologischem Spielen (2,1%), drei unter einem Punding (2,1%) und zwei unter einer Hypersexualität (1,4%). Bei allen Betroffenen war die Störung nach Beginn der medikamentösen RLS-Behandlung aufgetreten.

In einem signifikanten Zusammenhang mit den Impulskontrollstörungen standen eine höhere Dosis von Dopaminagonisten (p = 0,001), ein jüngeres Alter zu Erkrankungsbeginn (p = 0,04), Drogenkonsum in der Vergangenheit (p = 0,002), weibliches Geschlecht (p = 0,04) sowie eine familiäre Belastung mit pathologischem Spielen (p = 0,02). Zusammengenommen erklären diese Faktoren immerhin 52% des Risikos der RLS-Patienten für die Entwicklung einer Impulskontrollstörung und sie prädizierten diese zu 42,9%. JL

Kommentar
?! Auch wenn die Autoren einräumen, dass die ICD-Prävalenz von 7% wegen eines Antwort-Bias möglicherweise zu hoch ist, sollten auch Patienten mit RLS, die mit dopaminergen Medikamenten, besonders Dopaminagonisten, behandelt werden, auf das Risiko von Impulskontrollstörungen hingewiesen werden. Neben der sorgfältigen Erhebung etwaiger Risikofaktoren vor Therapiebeginn sollte auch regelmäßig eine Befragung der Patienten zu den verschiedenen Arten der impulsiven Handlungen erfolgen, die der Patient ja durchaus nicht immer als solche wahrnimmt oder gar der Erkrankung bzw. seiner Medikation zuordnet.
Quelle: Voon V et al.: Frequency of impulse control behaviours associated with dopaminergic therapy in restless legs syndrome, Zeitschrift: BMC Neurology, Ausgabe 11 (2011), Seiten: 117
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