Drei Jahre Krieg im Jemen | Neuro-Depesche 11/2018

Hunger und Krankheit als Waffe

Im bettelarmen Jemen tobt seit mittlerweile drei Jahren ein – von Saudi-Arabien und Iran unterhaltener – Bürgerkrieg. Dass dabei nicht nur Bomben und Granaten, sondern auch Hunger und Krankheit als Waffen eingesetzt werden, ist offenkundig. Zur aktuellen Situation äußerten sich jetzt Ärzte der Harvard Medical School in Boston im NEJM.

Wie die zwei Mediziner des Department of Global Health and Social Medicine schreiben, lag das Gesundheitssystem im Jemen schon vor dem Krieg am Boden. Eines von 25 Kindern hat das fünfte Lebensjahr nicht erreicht.
Ihnen erscheint dieser Krieg besonders „toxisch“: Nach zahlreichen Bombardierungen von Krankenhäusern und Klärwerken durch die − von den USA, aber auch Großbritannien und Frankreich unterstützten − Saudis breiten sich zunehmend Infektionskrankheiten aus. Es wird vermutet, dass bereits 1,1 Mio. Jemeniten an Cholera erkrankt sind. Außerdem greifen laut WHO Diphtherie und Masern um sich − und jetzt wird auch noch ein Polio-Ausbruch befürchtet.
Hilfsorganisationen können sich nur sehr eingeschränkt bewegen. Durch die Blockade der Häfen ist die Versorgung mit medizinischer Ausrüstung einschließlich Impfstoffen und mit Nahrungsmitteln äußerst schwierig. Laut UN droht 14 Mio. Menschen der Hunger. Dass die Angriffe auf die (klar gekennzeichneten) Krankenhäuser kein Versehen ist, belegen die Ärzte ohne Grenzen damit, dass die GPS-Koordinaten den saudischen Behörden übermittelt wurden. Die moralische Verantwortung ist kollektiv, so die Autoren, im Jemen wird gerade eine ganze Generation geopfert. JL

Quelle:

Mohareb AM, Ivers LC: Disease and Famine as Weapons of War in Yemen. N Engl J Med 2018 [Epub 21. Nov.; doi: 10.1056/NEJMp1813831]

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.