Unterstützung für Patienten und Betreuer

Neuro-Depesche 10/2008

Heimunterbringung lässt sich vermeiden

Um die Heimunterbringung von Demenzpatienten möglichst lange hinauszuzögern, wurde eine Vielzahl von Programmen entwickelt, die Patienten und ihre pflegenden Angehörigen unterstützen sollen. Die Effektivität dieser gesundheitsökonomisch sinnvollen, nicht-pharmakologischen Maßnahmen wurde bislang jedoch nicht systematisch untersucht. Nun liegt aus den Niederlanden eine Metaanalyse zur Wirksamkeit derartiger Interventionen vor.

Ausgewertet wurden zehn Studien mit insgesamt 9043 Patienten, in denen vielfältige unterstützende Programme wie z. B. Training der häuslichen Betreuer, Gedächtnistraining für die Patienten, Familienberatung, Betreuung durch einen Pflegedienst, Hausbesuche von Psychologen und Beschäftigungstherapeuten, Training der Betreuer in verhaltenstherapeutischen Techniken etc. stattgefunden hatten.

Die Einschätzung der globalen Wirksamkeit zeigte, dass in der Gesamtheit der Interventionsgruppen die Notwendigkeit einer Heimunterbringung gegenüber den Kontrollgruppen signifikant reduziert war (Odds Ratio: 0,66). Die metaanalytische Analyse der sechs Studien mit der höchsten Qualität ergab immer noch ein signifikant positives Resultat für die geringere Notwendigkeit einer Heimunterbringung (OR: 0,60).

In einer weiteren Auswertung vier selektionierter Studien ergab sich eine um 4,9 Monate längere Zeitspanne bis zur Institutionalisierung gegenüber den Kontrollen. Dieser vorteilhafte Effekt wies bei einer erneuten Auswertung mit Beschränkung auf die drei Studien mit der höchsten Qualität keine Signifikanz mehr auf.

Es waren vielfältige, teils sehr individuelle Interventionen eingesetzt worden: Die effektiven hoben sich von den eher unwirksamen Interventionen dadurch ab, dass verschiedene Maßnahmen angeboten wurden und die betreuenden Personen unter diesen aktiv wählen konnten. In einer weiteren Studie sollen diese Interventionen nun einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen werden. EH

Kommentar
?! Diese Studie zeigt den grundsätzlich hohen Wert nicht-medikamentöser Unterstützungsmaßnahmen und -programme bei den Pflegenden/Betreuenden von Demenzkranken. Sie ist aber unter verschiedenen Aspekten mit Vorsicht zu betrachten: Insbesondere weil die Studienergebnisse eine starke Heterogenität aufweisen und kulturelle Unterschiede nicht berücksichtigt werden konnten, aber auch, weil zumeist weder Angaben zum Alter der Betreuten noch zur Demenzschwere und -symptomatik vorlagen.
Quelle: Spijker, A: Effectiveness of nonpharmacological interventions in delaying the institutionalization of patients with dementia: a meta-analysis, Zeitschrift: JOURNAL OF THE AMERICAN GERIATRICS SOCIETY, Ausgabe 56 (2008), Seiten: 1116-1128
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