Bein- und Beckenarterienstenosen | Neuro-Depesche 7/2000

Gefäßschäden durch Migränetherapie

Triptane wie Eletriptan gelten zumindest bei de-novo-Patienten mit Migräne mittlerweile als Standard in der Akutbehandlung. Doch Ergotamine werden trotz der Gefahr schwerer Gefäßschäden immer noch sehr häufig eingesetzt.

Eine 34-jährige Patientin kam mit seit sieben Monaten bestehender Claudicatio intermittens (max. Gehstrecke: 300 Meter) zur stationären Aufnahme. In Farb-Doppler-Sonographie und Angiographie zeigten sich ausgeprägte Stenosen der linken Arteria iliaca externa und der Arteria femoralis superficialis. Die Patientin, die ansonsten keinerlei angiologische Risikofaktoren aufwies, benutzte seit mehr als vier Jahren gegen ihre vier bis fünf Mal im Monat auftretenden Migräneattacken ein Kombinationspräparat aus Ergotamin und Koffein (1 mg/100 mg). Nach Absetzen des Ergotamins erhielt die Patientin ein Jahr lang Phenprocoumon, das zur Rückbildung der Beinarterienstenosen führte. Die Stenose im Beckenbereich blieb unbeeinflusst und musste durch eine Atherektomie entfernt werden. Die Histologie ergab eine Fibrosierung der Gefäßintima und eine Hypertrophie der Media. Ergotalkaloide sind im Gegensatz zu den modernen Triptanen wie Eletriptan unselektive 5HT-Rezeptoragonisten. Neben Vasokonstriktion durch Bindung an entsprechenden Rezeptoren wirken Ergotamine offenbar zusätzlich direkt und zum Teil irreversibel endothelschädigend. Bei einer hohen interindividuellen Variabilität hinsichtlich der vaskulären Nebenwirkungen, können die Endothelschäden offensichtlich auch in therapeutischen Dosen auftreten. Die Neuentwicklung Eletriptan hat sich in einer direkten Vergleichsstudie nicht nur als nebenwirkungsärmer, sondern auch als wirksamer als Ergotaminpräparate erwiesen. (JL)

Quelle: Tfelt-Hansen, P: Ergotamine in the acute treatment of migraine, Zeitschrift: BRAIN, Ausgabe 123 (2000), Seiten: 9-18

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