Frühe Weichenstellung bei RRMS | Neuro-Depesche 1-2/2019

Familienplanung unter Teriflunomid und Alemtuzumab

Da die schubförmige MS meist bei Frauen im gebärfähigen Alter auftritt, ist ein aktueller oder späterer Kinderwunsch zu berücksichtigen. Wie sich die Familienplanung unter Teriflunomid und Alemtuzumab gestaltet, wurde auf einem Satellitensymposium beim 91. DGN-Kongress von Sanofi Genzyme diskutiert.

Die meisten MS-Medikamente sind bei Schwangeren oder Stillenden kontraindiziert oder nur eingeschränkt zugelassen, schilderte Prof. Celia Oreja-Guevara, Madrid. Der ebenfalls kontraindizierte orale Immunmodulator Teriflunomid ist dabei das einzige MS-Therapeutikum, das aktiv aus dem Körper eliminiert werden kann: Schon am dritten Tag der beschleunigten Elimination mit Colestyramin oder Aktivkohle sind > 90 % des Wirkstoffs aus dem Serum entfernt. Beträgt die Teriflunomid-Konzentration nach elf Tagen und erneut 14 Tage später jeweils < 0,02 mg/l, kann die Patientin (sechs Wochen nach dem ersten Test) schwanger werden. Im Übrigen ergaben sich bei 89 Spontanschwangerschaften mit pränataler Teriflunomid-Exposition in Studien (nach Absetzen und beschleunigter Elimination) bei den Neugeborenen „keine teratogenen Signale“, betonte Oreja-Guevara in Berlin.
Ähnlich ist die Situation bei den 248 (bis April 2017 dokumentierten) Schwangerschaften von Alemtuzumab-behandelten Frauen. Auch hier fanden sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Fehlbildungen oder Geburtsdefekten der Neugeborenen. Spontanaborte kamen vergleichbar häufig vor wie in der Bevölkerung und bei therapienaiven MS-Patientinnen. Alemtuzumab wird in zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr verabreicht. Dabei ist der Antikörper bereits nach kurzer Zeit im Serum nicht mehr nachweisbar. Somit ist vier Monate nach den beiden Behandlungsphasen eine Schwangerschaft möglich.
Hinzu kommt, dass die Frauen durch die anhaltende Wirksamkeit von Alemtuzumab ohne eine weitere MS-Behandlung auch in der Schwangerschaft vor einer Krankheitsaktivität geschützt sind. Wie Prof. Tjalf Ziemssen, Dresden, anhand der Achtjahresdaten aus klinischen Studien darlegte, bewirkt Alemtuzumab vielfach eine anhaltende Stabilisierung: Obwohl die Mehrheit der Teilnehmer nach den beiden initialen Behandlungsphasen keine weitere immunmodulatorische MS-Therapie erhielt, war die Mehrzahl von ihnen auch in Jahr 8 noch schubfrei. Ebenfalls mehrheitlich blieb die Behinderung nach EDSS stabil oder besserte sich, und es wurde der Status „No evidence of disease activity“ (NEDA) erreicht. LK/JL
Quelle:

Sattelittensymposium„Qual der Wahl oder Luxusproblem? Patientenbedürfnisse in einer komplexen Therapielandschaft“, 91. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Neurowoche, Berlin, 01.11.2018. 

 

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