Nicht-affektive Psychosen | Neuro-Depesche 3/2019

Familien-Umfeld erhöht bei männlichen Migranten das Risiko

Die Determinanten eines erhöhten Psychose-Risikos bei Einwanderern sind unklar. Jetzt wurde in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in Schweden untersucht, ob es für nicht-affektive Psychosen eine Rolle spielt, ob die Migranten mit oder ohne ihre Familien gekommen sind. Es fanden sich unerwartete Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Bis 2011 oder bis zur Diagnose einer nicht-affektiven Psychose (ICD-9/-10), Emigration oder Tod nachbeobachtet wurde eine Kohorte von 838.717 im Alter von 14 Jahren oder später nach Schweden eingewanderten Menschen (geb. 1968-97). Sie stammten überwiegend aus Europa (39,0 %) sowie aus dem Nahen Osten / Nordafrika (23,2 %) und Asien / Ozeanien (20,9 %). Es wurden 6.016 Fälle nicht-affektiver Psychosen registriert (Inzidenz: 89,9 pro 100.000). Männer (50,5 %) und Frauen (49,5 %) waren in etwa gleich häufig betroffen.
Vollkommen allein eingewanderte Frauen hatten gegenüber Frauen, die mit oder zu ihrer Familie, jedenfalls nicht allein, migrierten, nach Adjustierung auf verschiedene Variablen ein deutlich um 31% erhöhtes Psychose-Risiko (adjustierte Hazard Ratio: 1,31; 95 %-KI: 1,11 bis 1,54). Dies entsprach den Annahmen.
Während das Risiko der Frauen, die unmittelbar mit oder zu ihrer Familie einwanderten, nicht erhöht war, fand sich bei den Männern – entgegen dem erwarteten Schutzeffekt – der gegenteilige Zusammenhang: Die mit ihrer Familie erfolgte Migration der Männer war gegenüber allein eingewanderten Männern mit einem um 16 % erhöhten Psychose-Risiko verbunden (adj. HR: 1,16; 95 %-KI: 1,00 bis 1,34). Mit einer Risikoerhöhung um 35 % noch stärker psychosegefährdet waren Männer, die zu ihrer bereits in Schweden lebenden Familiengemeinschaft (= mindestens ein erwachsener Verwandter ersten Grades) gezogen waren (aHR: 1,35; 95 %-KI: 1,21-1,51). HL

Kommentar

Entgegen der Erwartung bot die Migration mit der Familie oder in Familiennetzwerke im Gastland Männern (anders als den Frauen) nicht nur keinen Schutz vor einer nicht-affektiven Psychose, sondern erhöhten das Risiko sogar. Die unterschiedlichen Gefährdungen deuten auf geschlechtsspezifische Besonderheiten im Migrationsprozess hin, für die bislang noch keine Erklärungen vorliegen.

Quelle:

Dykxhoorn J et al.: Family networks during migration and risk of non-affective psychosis: A population-based cohort study. Schizophr Res 2019; pii: S0920- 9964(19)30047-7. [Epub 7. Feb.; doi: 10.1016/j.schres.2019.01.044]

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