Elektroneurographie | Neuro-Depesche 2/2000

F-Wellen-Messung bei Läsionen des N. facialis

Bisher hat sich die Registierung von F-Wellen schon bei der Bewertung des Guillain-Barré-Syndroms und diabetischer oder urämischer Neuropathien als nützlich erwiesen. Sie eignen sich aber auch zur klinischen Untersuchung peripherer fazialer Nervenläsionen wie Bell-Phänomen und Akustikusneurinom.

Werden motorische Nervenfasern stimuliert, so läuft die Erregungswelle auch antidrom zu den alpha-Motoneuronen im Vorderhorn und von dort als F-Welle über das gleiche Axon wieder zurück. Bei proximalen Schäden an peripheren Nerven fehlt diese Welle dagegen. Bei zehn gesunden Personen, sieben Patienten mit Bell-Phänomen und zweien mit Akustikusneurinom gelang die Messung fazialer F-Wellen. Um der Überlappung der Latenzen fazialer F- und M-Wellen (direkte Muskelaktionspotentiale) vorzubeugen, wurde bei den Studienteilnehmern mittels Oberflächenelektroden an der mehr distalen Seite des R. marginalis mandibulae des N. facialis stimuliert und am Musculus mentalis, dem distalsten Gesichtsmuskel, abgelesen. Außerdem wurde die Dauer der M-Welle durch einen 100Hz-Niedrigfrequenzfilter verkürzt. Auf diese Weise konnten bei allen gesunden Personen faziale F-Wellen bilateral gemessen werden. Von den sieben Patienten mit Bell-Phänomen zeigten sechs dagegen keine F-Wellen auf der gelähmten Seite, bei einem waren sie gehemmt. Bei den Patienten mit Akustikusneurinom wurden die Wellen vor der Entfernung des Tumors bilateral gemessen, nach der Operation konnten sie jedoch auf der betroffenen Seite nicht mehr ausgelöst werden. Bei den gesunden Personen wurde beobachtet, dass die F-Wellen im Schlaf gehemmt und bei willkürlicher Kontraktion verstärkt waren. Sofern keine Störung in einem proximalen Segment vorliegt kann mit F-Wellen demnach auch die Erregbarkeit des fazialen motorischen Kerns bestimmt werden. (mcs)

Quelle: Ishikawa, M: F-waves of the facial muscle in healthy control subjects and in patients with peripheral facial nerve disturbance, Zeitschrift: ELECTROMYOGRAPHY AND CLINICAL NEUROPHYSIOLOGY, Ausgabe 39 (1999), Seiten: 167-174

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