Darstellung von Suizid in sozialen Medien | Neuro-Depesche 7-8/2019

Experten und Eltern sind zu recht besorgt

Nicht nur auf Instagram finden sich bildliche Darstellungen von Suiziden und Selbstverletzungen – häufig äußerst explizit. Wissenschaftler haben nun die Wirkung solcher Darstellungen untersucht. Es zeigte sich zwar kein echter „Werther-Effekt“, jedoch deuten die Ergebnisse auf problematische Folgen solcher Inhalte hin.
Dass eine ausführliche Beschreibung von Suizidmethoden in Wort und Bild in Tageszeitungen und TV Nachahmungseffekte begünstigen kann, wurde bereits in verschiedenen Studien nachgewiesen. Im Abstand von rund einem Monat führten Wissenschaftler nun in den USA zu den Folgen von Suiziddarstellungen auf Instagram zwei webbasierte Befragungen an 729 Probanden (18 bis 29 Jahre) durch.
Mit 313 Usern (43 %) waren überraschend viele Befragte auf Instagram schon persönlich mit Suizid- oder Selbstverletzungsinhalten (z. B. Fotos von Personen, die sich „ritzen“, oder kurze Videos zu Suizidmethoden) in Kontakt gekommen. 20,1 % von ihnen gaben sogar an, gezielt nach solchen Inhalten gesucht zu haben. Mehr als die Hälfte war zufällig darauf gestoßen.
An der Mehrheit der Nutzer mit einschlägigen Erfahrungen gingen die Darstellungen zu Suizid und Selbstverletzung nicht spurlos vorüber. Denn immerhin 63,9 % dieser User gaben bei der Befragung an, dass diese Inhalte sie emotional verstört haben. Im Querschnitt führte das Betrachten von Suizid- und Selbstverletzungsinhalten häufiger zu eigenen Suizidgedanken, stärkerer Hoffnungslosigkeit und weniger „Reasons for Living“ sowie zu mehr selbst-berichtetem selbst-verletzendem Verhalten. Eine Verstärkung dieser Parameter fand sich auch im Längsschnittergebnis. Das Fassen konkreter Suizidpläne wurde jedoch nicht beeinflusst. Einen „Werther- Effekt“ gab es also nicht! GS

Kommentar

Offenbar ist die Besorgnis von Kommunikationswissenschaftlern, Suizidexperten und vor allem von Eltern über Suizid- und Selbstverletzungsinhalten auf Instagram gerechtfertig, so die Autoren. Instagram hat bereits angekündigt, derartige Darstellungen zu löschen. Dies ist, so die Autoren, ein wichtiger Schritt, doch dürfen Suizid und Selbstverletzung andererseits nicht tabuisiert werden. Die Social-media- Plattformen sollten ihren Nutzern vermehrt Informationen zu Hilfsangeboten liefern.
Quelle: Arendt F et al.: Effects of exposure to self-harm on social ... new media & society 2019 [Epub: 27. Mai; doi.org/10.1177/1461444819850106]

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