ADHS konsequent behandeln

Neuro-Depesche 7/2006

Epilepsie ist keine Kontraindikation für Stimulanzien

Patienten mit Epilepsie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine ADHS. Auf die Therapieoptionen hat diese Komorbidität Experten zufolge aber keinen Einfluss, Stimulanzien bleiben die medikamentöse Therapie der ersten Wahl.

Auffälligkeiten in der Hirnstromaktivität finden sich sowohl bei Epilepsien wie bei der ADHS. Epilepsie-typische fokale Sharp-waves treten in der Normalbevölkerung bei 3%, aber bei 15% der Kinder mit ADHS auf, so Dr. Kirsten Stollhoff, Kinder- und Jugendärztin in Hamburg. Nicht selten zögern auch Fachärzte bei der Verordnung von Stimulanzien bei ADHS-Kindern mit Krampfanfällen in der Anamnese. Tatsächlich warnt die Fachinformation von Methylphenidat bei diesem Personenkreis vor einer Senkung der Krampfschwelle. Dieser Hinweis beruht aber auf Beobachtungen aus Tierversuchen und bestätigte sich beim Menschen weder im praktischen Alltag noch in Studien, berichtete die Neuropädiaterin und sagte: „Stimulanzien führen nicht zu Anfällen bei Kindern mit ADHS, auch nicht bei pathologischem EEG.“ Es gibt sogar Hinweise auf den gegenteiligen Effekt: Beispielsweise wurde bei Absenceepilepsien nach Gabe von Stimulanzien neben der Besserung der ADHS-Symptomatik eine Minderung der Anfallsfrequenz beobachtet.

ADHS tritt auch bei Minor-Epilepsie auf, vor allem die rein unaufmerksame Form ohne Hyperaktivität, wie sie im DSM-IV definiert ist. Diese „verträumte Form“ wird hinter der auffälligeren Epilepsie leicht übersehen. Die rechtzeitige Diagnostik und Therapie einer zusätzlich bestehenden ADHS, vermutet Stollhoff, würde möglicherweise die Prognose vieler an Epilepsie leidenden Kinder verbessern helfen. (RS)

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