Wenn die Ernährung krank macht | Neuro-Depesche 11/2018

Die Menschen zur Gesundheit zwingen?

Die Fettsucht hat in den USA einen Rekordstand erreicht – 2015/2016 waren 39,6% der Erwachsenen und 18,5% der Jugendlichen adipös. Eine Experten-Gruppe suchte nun nach Wegen, diese verhängnisvolle Entwicklung zu bremsen.

Studien zufolge stellen ernährungsbezogene Faktoren heute in den USA die häufigste Todesursache dar. Eine Untersuchung mit 827 Probanden, deren 24-h-Urin analysiert wurde, ergab einen mittleren Natriumverbrauch von 4000 mg/d (empfohlene Höchstdosis: 2300 mg). Zu viel Natrium (bzw. Kochsalz) erhöht bekanntlich das Risiko für Hypertonie, Herzinfarkt und Apoplex. Drei Experten präsentierten angesichts dieser Sachlage kürzlich im JAMA Vorschläge, wie die Politik reagieren sollte.
Der Faktor zuckersüße Getränke könnte angegangen werden, indem man diese mit einer Zuckersteuer belegt. Die FDA könnte auch einen hohen Zuckergehalt offziell als gesundheitsschädlich erklären und eine Obergrenze vorschreiben. Beim Natrium ist die Lage ähnlich. Freiwillige Begrenzungen wurden in anderen Ländern wenig beachtet. Auch hier sollte es gesetzliche Obergrenzen in Fertigprodukten geben.
Weitere Vorschläge sind: Lebensmittel sollten leicht verständliche Etiketten mit den Ingredienzien tragen. Für Produkte, die für Kinder besonders schädlich sind, sollte die Werbung untersagt werden. Menschen mit geringem Einkommen sollten Beihilfen zum Kauf von Obst und Gemüse bekommen. Restaurants sollten bekömmlichere Gerichte anbieten. Über die Massenmedien sollte eine gesunde Ernährung propagiert werden.
Die Autoren sind sich durchaus darüber im Klaren, dass die Lebensmittelindustrie gegen solche Maßnahmen opponieren würde. Den Politikern sollte es zu aller Wohl dennoch ein Anliegen sein, sie in die Tat umzusetzen. WE

Quelle:

Jacobson MF et al.: Potential policy approaches to address diet-related diseases. JAMA 2018; 320:341-2

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