Neuro-Depesche 4/2018

Proof-of-concept-Studie bei Kindern mit ADHS

Bessert „NeuroRacer" die Kognition?

Die herkömmlichen ADHS-Therapien können die Kernsymptome der Erkrankung bessern, beeinflussen aber neurokognitive Beeinträchtigungen oft nicht wesentlich. In einer Proof-of-concept-Studie wurden jetzt Durchführbarkeit und Aussichten einer Action Game-Intervention am Computer zur Steigerung der kognitiven Fähigkeiten geprüft.

40 Kinder mit einer ADHS im medianen Alter von zehn Jahren und 40 gesunde Altersgenossen als Kontrollen spielten über 28 Tage am heimischen Computer eine Adaption des 3D-Multitaskingspiels „NeuroRacer“. Die Kinder sollten es 30–45 Min. pro Tag an fünf Tagen der Woche spielen.
Die Teilnehmer absolvierten 84% aller geplanten Sitzungen (durchschnittlich 10,9 h). Die Akzeptanz war ausgesprochen gut: Die Kinder genossen das Training, was die Eltern bestätigten. Nur vier Teilnehmer (der Kontrollgruppe) schieden aus.
Die Ergebnisse der neuropsychologischen Tests zeigten signifikante Effekte der Intervention auf die primären Parameter Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Inhibitionskontrolle. Besonders ausgeprägt war dies in der Subgruppe der 22 ADHS-Kinder mit größerer Symptomschwere und stärker beeinträchtigter Aufmerksamkeit.
Im Einzelnen betrafen die Besserungen den Attention Performance Index (API) des Test of Variables of Attention (TOVA) vs. Baseline, in dem das ADHS-Gesamtkollektiv eine signifikante Leistungssteigerung erzielte (p = 0,033, Effektgröße nach Cohen’s d: 0,35) Noch stärker war der Effekt auf den API in der besonders schwer betroffenen Subgruppe (p = 0,003; Cohen’s d: 0,71), während sich in der Kontrollgruppe keine relevanten Veränderungen ergaben (p = 0,30, Cohen’s d: 0,17). Außerdem besserte sich in der Interventionsgruppe das räumliche Arbeitsgedächtnis nach dem Spatial Working Memory (SWM) Test der Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery (CANTAB) in 8 von 12 Variablen – erneut im gesamten Kollektiv wie bei den am schwersten Beeinträchtigten (je p < 0,05). Hier verbesserten sich allerdings auch die Kontrollen (in 5 der 12 SWM-Variablen; p < 0,05).
Die Leistungen im Arbeitsgedächtnis als Komponente der Exekutivfunktionen steigerten sich bei den Nicht-ADHS-Kontrollen kaum, im Gesamtkollektiv immerhin tendenziell (p = 0,07, Cohen’s d: 0,29) und in der ADHS-Subgruppe signifikant (p = 0,014, Cohen’s d: 0,51). Ausschließlich Letztere profitierten außerdem im Bereich der Inhibition signifikant (p = 0,027; Cohen’s d: 0,47). HL

Kommentar

Diese sehr vorläufigen Resultate sprechen dafür, dass das – mit hoher Adhärenz und Zufriedenheit – zuhause regelmäßig gespielte Action Game „NeuroRacer“ ADHS-Kerndefizite bessern kann. Die schon 2013 bei älteren Erwachsenen als wirksam erachtete Intervention sollte in größeren Studien mit ADHS-Patienten überprüft werden.


Quelle:

Davis NO et al.: Proof-of-concept study of an at-home, engaging, digital intervention for pediatric ADHD. PLoS One 2018; 13(1): e0189749 [Epub 11. Jan.; doi: 10.1371/journal.pone.0189749]



Link zur Originalarbeit Originalarbeit bestellen


ICD-Codes: F90.0

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2018, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum