Temporallappen-Resektion | Neuro-Depesche 6/2012

Auch hyperkinetische Anfälle sprechen an

Bei einer Temporallappen-Epilepsie (TLE) kann es gelegentlich auch zu hypermotorischen Krampfanfällen kommen. Die Semiologie umfasst u.a. heftige Vokalisationen, komplexe Bewegungen der proximalen Gliedmaßen, Drehung des Rumpfes, Beckenbewegungen und tonische/dystonische Haltung. Wie sich die Anfälle gestalten und ob auch diese Patienten von einem epilepsiechirurgischen Eingriff profitieren, wurde in einer retrospektiven deutschen Untersuchung geprüft.

Zwischen 1989 und 2009 unterzogen sich 294 erwachsene pharmakoresistente TLE-Patienten am Epilepsiezentrum Kehl-Kork einer TL-Resektion. Sie konnten postoperativ mindestens 12 Monate (max. 8 Jahre) nachbeobachtet werden. Ausgewertet wurden die Anamnese sowie die Befunde der Video-Elektroenzephalographie (EEG) und der strukturelle Bildgebung (MRT, FDG-PET).

Eine hypermotorische Semiologie (zumeist mit Aura) wiesen 17 Studienteilnehmer (6%) auf. Sie konnten in zwei Gruppen unterteilt werden: In acht Fällen begannen die hypermotorischen Phasen 3–10 s nach Anfallsbeginn, waren i.d.R. schlafassoziiert, von kurzer Dauer (20–40 s) und hoher Frequenz (1–5/24 h). Bei den übrigen neun setzten die Bewegungen später (> 10 s) ein und hielten länger an, waren allerdings weniger häufig. Bei Letzteren bestand in jedem Fall eine familiäre TLE-Anamnese.

Die iktale EEG-Aktivität war in der Regel breit über die temporalen Elektroden verteilt und breitete sich schnell unilateral nach frontal und kontralateral aus. In den bildgebenden Verfahren waren Läsionen im TL mit mesialen und neokortikalen Anteilen zu erkennen.

Beim Großteil des Kollektivs (n = 13; 76%) lagen Anzeichen einer Hippokampussklerose vor. In diesen Fällen wurde eine klassische vordere TL-Lappenresektion, bei den übrigen eine selektive Amygdalo-Hippokampektomie durchgeführt. Histopathologisch bestätigten sich vor allem kortikale Dysplasien sowie Hippokampussklerosen. Nach dem Eingriff waren 14 Studienteilnehmer (82%) vollständig anfallsfrei (Engels-Klasse Ia). NW

?! Eine bei TLE-Patienten gelegentlich auftretende hypermotorische Semiologie hat ihren Ursprung ebenfalls im Temporallappen. Dieser Studie zufolge scheint der postoperative Verlauf nach einer TL-Resektion auch in dieser Patientengruppe günstig – vorausgesetzt die EEG-Muster und Bildgebungsbefunde entsprechen einer klassischen TLE. Da acht von zehn Patienten komplett anfallsfrei wurden, sollte die Resektion durchaus in Erwägung gezogen werden.
Quelle: Staack AM et al.: Hyperkinetic seizures in patients with temporal lobe epilepsy: Clinical features and outcome after temporal lobe resection, Zeitschrift: EPILEPSIA, Ausgabe 52 (2011), Seiten: 1439-1446

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