Gegenseitige Komorbidität?

Neuro-Depesche 10/2011

Asthma bei ADHS-Patienten doppelt so häufig

Diverse Studien haben immer wieder Zusammenhänge zwischen Bronchialasthma und ADHS gezeigt. Psychiater der Universität Bergen unternahmen jüngst eine Studie, um den Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen zu prüfen.

In der Querschnittsstudie an 594 erwachsenen ADHS-Patienten und 719 Personen einer Bevölkerungsstichprobe wurden per Fragebogen die ADHS-Symptome und die Asthma-Prävalenz erhoben. Zugleich wurden in beiden Gruppen neben demographische Daten andere komorbide Erkrankungen und der Beschäftigungsstatus erfasst.

Die Asthma-Prävalenz war in dem ADHS-Kollektiv mit 24,4 vs. 11,3% mehr als doppelt so hoch. Der Unterschied war signifikant, die Wahrscheinlichkeit (Odds Ratio) lag beim 2,5-Fachen (95%-KI: 1,89-3,44; p < 0,0001). Bei den Frauen mit ADHS war die Asthma-Prävalenz signifikant höher als bei den Männern (30,9 vs. 18,2%; OR: 2,01, KI: 1,36–2,95). Bei den ADHS-Patienten und den Kontrollen ging das Vorliegen eines Asthmas mit einer erhöhten Rate komorbider Symptome affektiver und Angsterkrankungen einher. Jeweils signifikant häufiger waren bei ihnen auch Alkoholprobleme und Arbeitslosigkeit.

Darüber hinaus wiesen die Kontrollen – nicht aber die ADHS-Kranken(!) – mit Asthma in der Vergangenheit und gegenwärtig deutlich häufiger ADHS-Symptome nach der Wender Utah Rating Scale (WURS) und der Adult ADHD Self Report Scale (ASRS) auf. JL

Kommentar
?! Da sich eine direkte kausale Beziehung kaum herstellen lässt, repräsentiert die hohe Asthma-Komorbidität bei erwachsenen ADHS-Patienten den Autoren zufolge am ehesten den Einfluss von Faktoren wie z. B. Übergewicht, psychiatrische Erkrankungen, intrauterine Nikotin-Exposition bzw. passives Rauchen etc., die beiden Erkrankungen gemeinsam zugrunde liegen. Im Praxisalltag sollten jedenfalls alle Patienten auf das jeweils andere Krankheitsbild untersucht werden.
Quelle: Fasmer OB et al.:: Adult attention deficit hyperactivity disorder is associated with asthma, Zeitschrift: BMC psychiatry, Ausgabe 11 (2011), Seiten: doi1471-244X/11/128
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