Neuro-Depesche 10/2017

„Lancet Commission" zur Demenz

Synopsis zu Prävention, Interventionen und Pflege

Weltweit leiden derzeit knapp 50 Millionen Menschen unter einer Demenz. Obwohl sich die Inzidenz in einigen Ländern in letzter Zeit verringert hat, wird sich diese Zahl bis zum Jahre 2050 verdreifachen. In einer Übersichtsarbeit formulieren Demenzexperten einer „Lancet Commission“ Empfehlungen zur Prävention, zu Interventionen und zur Pflege demenzkranker Menschen.

Hier aus den zehn Punkten der Expertenkomission eine Auswahl.
  • Zur Prävention werden Interventionen gegen anerkannte Risikofaktoren empfohlen. Etwa 35% des Demenzrisikos sind nach Berechnung der Population attributable fraction (PAF) einer Kombination von neun modifizierbaren Risikofaktoren geschuldet. Daher sollen in jungen Jahren die Bildung/Ausbildung („kognitive Reserve“) sowie in mittleren Lebensabschnitten die Behandlung von Hörproblemen und Übergewicht sowie die konsequente Therapie eines Hypertonus gefördert werden. Zur Senkung der Demenz-Inzidenz sollten bei nicht-dementen Menschen in höherem Alter (> 65 Jahre) außerdem körperliche Aktivität/ Übungen und soziale Integration gefördert, Nikotinverzicht propagiert sowie depressive Symptome und Diabetes adäquat behandelt werden.
  • Um die Kognition zu verbessern oder zu erhalten, sollten Patienten mit einer Alzheimer- Demenz (AD) oder einer Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB) in jedem Krankheitsstadium Cholinesterase-Hemmer und in fortgeschrittenen Demenzstadien Memantine angeboten werden (nicht aber Patienten mit einer Mild Cognitive Impairment, MCI). Bei MCI sind Cholinesterase-Hemmer nicht wirksam.
  • Neuropsychiatrischen Symptomen der Demenz wie Agitation, Niedergeschlagenheit, Psychose etc. sollte mit psychologischen Methoden und mit Anpassungen der sozialen und konkreten Umgebung der Patienten begegnet werden. Medikamentöse Optionen sollten nur bei schwereren Symptomen eingesetzt werden.
  • Die Betreuung von Demenzkranken sollte sowohl individuell als auch kulturell auf die Betroffenen zugeschnitten sein und medizinische wie soziale Aspekte umfassen.
  • Besonderes Augenmerk sollte der Unterstützung von betreuenden Angehörigen („Care giver“) gewidmet werden, die u. a. ein hohes Risiko haben, an einer Depression zu erkranken. Zu deren Vorbeugung und auch Behandlung eignen sich beispielsweise die Programme „STrAtegies for RelaTives“ (START) und „Resources for Enhancing Alzheimer’s Caregiver Health Intervention“ (REACH).
  • Mögliche Gefährdungen des Demenzkranken selbst wie Vernachlässigung/Verwahrlosung, unvernünftige Handlungen (z. B. in finanziellen Dingen) etc., aber auch der Gesellschaft wie Fahruntauglichkeit, Waffengebrauch etc. sollten regelmäßig überprüft werden. Einschränkungen der Freiheit sind stets gegen das Recht des Patienten auf Autonomie abzuwägen.
  • Die Planung der weiteren Lebensführung, die Regelung rechtlicher Fragen und auch ein würdiges Sterben des Erkrankten sollten diskutiert werden, solange es den Patienten noch möglich ist, fundierte Entscheidungen zu treffen. Die aktuelle Entscheidungsfähigkeit sollte also regelmäßig Teil der ärztlichen klinischen Untersuchung sein. HL

Quelle:

Livingston G et al.: Dementia prevention, intervention, and care. Lancet 2017 [Epub 19. Juli; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31363-6]



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